Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Theater im Park: PIOTR BECZALA & HELMUT DEUTSCH

13.09.2021 | Konzert/Liederabende

 

beczala1

Helmut Deutsch (Klavier) und Piotr Beczala. Foto: Stingl / Hoanzl

WIEN /Theater im Park:  Liederabend PIOTR BECZALA und H. DEUTSCH

12. September 2021

Von Manfred A. Schmid

Neben Opernauftritten gehören Konzerte und Liederabende zum Repertoire des polnischen Sängers, der sich seit einigen Jahren in Bestform präsentiert und ohne Zweifel zur Riege der weltbesten Tenöre zählt, wenn er diese nicht ohnehin schon längst anführt.  Seine Stimme ist geprägt von betörender Wärme, und das, was man gemeinhin mit „Schmelz“ bezeichnet, verströmt Piotr Beczala in allen Tonlagen. Selbst in den höchsten Stimmregionen sind nicht die geringsten Anzeichen von Anstrengung erkennbar. Jahrelange Erfahrung auf der Opernbühne und in Konzertsälen sowie die totale technische Beherrschung der Stimme haben seine Fähigkeit, die emotionale Essenz der Musik auszuloten, zu höchster Meisterschaft gebracht.

Auf seinen jüngsten Wienjer Liederabend am 23. Juli im Konzerthaus folgt nun ein Open-Air-Auftritt im – nicht ganz gefüllten – Theater im Park, für den der Tenor ein breit gefächertes Programm erstellt hat. Die erste Hälfte ist slawischer Musik gewidmet. Den Anfang machen vier Lieder aus Dvoráks Zyklus Zigeunermelodien. Beczala und Helmut Deutsch am Klavier lassen sich dabei voll auf die romantisch verklärten Impressionen aus dem unsteten Leben der nomadisierenden Volksgruppe ein. Wehmütig erklingt die Erinnerung „Als die alte Mutter“, Leidenschaft, Trotz und Lebensfreude vermitteln die folgenden Lieder „Reingestimmt die Saiten“, „In dem weiten, breiten, luft’gen Leinenkleide“ und „Horstet hoch der Habicht auf den Felsenhöhen“.

Auch zwei slawische Opernarien fehlen nicht und belegen so die Bandbreite seines Könnens. Als Prinz in Dvoráks Rusalka ist Beczala zuletzt Anfang 2020 an der Staatsoper aufgetreten, eine Arie daraus erklingt auch an diesem lauen, geradezu sommerlich anmutenden Septemberabend. Wenige Wochen davor, im Dezember 2019, debütierte Beczala in Stanislaw Moniuszkos Oper Halka am Theater an der Wien. Diesmal aber macht er das Wiener Publikum mit einer Kostprobe aus einem weiteren Werk des Schöpfers der polnischen Nationaloper bekannt. Die Arie des Stefan aus Das Gespensterschloss (Straszny Dwór) vermittelt einen ersten Eindruck von dieser hierzulande weitgehend unbekannten Oper, die aber als Moniuszkos bestes Werk und als polnischste aller polnischen Opern gilt. Hochromantisch, schwelgerisch und sehr melodiös.

Piotr Beczala hat noch einen weiteren kompositorischen Nationalhelden aus seiner Heimat mit im Gepäck: Fünf ausgewählte Lieder von Mieczyslaw Karlowicz begeistern durch elegante Melodienführung und erweisen sich als sehr sängerfreundlich. Es ist eine Freude mitzuverfolgen, wie sehr sich Bezcala hier wie ein Fisch im Wasser bewegt.

Seine Mission, die Zuhörerschaft mit Kostbarkeiten polnischer Musik bekanntzumachen, hat er, einfühlsam unterstützt von Helmut Deutsch, bravourös abgeschlossen. In der zweiten Hälfte seines Konzerts zeigt Beczala, dessen Karriere 1997 in Linz ihren Anfang nahm, wie sehr ihm die Melodien der Wiener und ungarischen Operette ans Herz gewachsen sind. Highlights aus den Lehár-Operetten Paganini und Giuditta lassen seinen Tenor ebenso erblühen wie Emmerich Kálmáns „Wenn es Abend wird“ aus Gräfin Mariza. Kein Wunder, dass das Publikum von der mitreißenden Gestaltung begeistert und von der überaus sympathischen Ausstrahlung des Sängers bezaubert ist.

Drei Lieder aus Filmen – „Ich küsse ihre Hand, Madame“ von Ralph Erwin, „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“ von Robert Stolz und „Still wie die Nacht“ von Richard Tauber – leiten über zu einem Block mit Tenorschmankerln aus Lehàrs Land des Lächelns, der mit dem vielbejubelten „Dein ist mein ganzes Herz“ den Abschluss des offiziellen Programms markiert. Es folgen vier Zugaben – darunter, als krönendes Finale, die Cavaradossi-Arie „E lucevan le stelle“. Herz, was willst du mehr!

 

Diese Seite drucken