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Wien/ Theater an der Wien: PETER GRIMES

23.12.2015 | Oper

WIEN/ Theater an der Wien: Th.a.d.W.  „Peter Grimes“ am 22.12.2015


Joseph Kaiser (Grimes) und sein Fischerjunge. Copyright: Monika Rittershaus

Ganz zu Recht steht diese Oper in vielen Häusern im Repertoire, wie auch im Theater an der Wien wieder bewiesen wurde. Brittens Musik begleitet die spannende Handlung optimal, der erste „Filmmusiker“ der Geschichte war geboren.

Regisseur Christof Loy war bemüht, das Geschehen zeitlos und doch klar verständlich auf die Bühne zu bringen. Im Verein mit Johannes Leiacker, der ein karges, aber praktikables Bühnenbild schuf, und Judith Weihrauch, die das Ensemble mit schlichten, zeitnahen Kostümen einkleidete, kam eine sehr dichte Aufführung dieses Außenseiter-Dramas zustande. Besonders beeindruckte, wie sehr der Chor vom Komponisten ins Geschehen eingebunden war, alle Schattierungen und Facetten der Ausdrucksmöglichkeiten waren vorhanden.

Ein Sonderlob für den wie immer prächtig disponierten Arnold Schoenberg-Chor unter Erwin Ortner. Auch das RSO bot eine solide Leistung, Dirigent Cornelius Meister war ein aufmerksamer Begleiter des Ensembles.

In der Titelrolle konnte Joseph Kaiser mit heldischem Tenor auftrumpfen. Die Rollengestaltung war glaubhaft, seine Zerrissenheit, die bald in Wahnsinn umschlug, wurde auch stimmlich deutlich vernehmbar. Ein Unglücksrabe, der nur bei zwei Dorfbewohnern Unterstützung fand. Eine davon war die Lehrerin Ellen Orford, gesungen von Agneta Eichenholz, mit kräftiger, wohltimbrierter Stimme und sicherer Höhe. Andrew Foster-Williams sang den Kapitän Balstrode, der zweite Verbündete von Peter Grimes. Stimmlich war er den beiden Vorgenannten deutlich unterlegen, sein Bariton wäre wohl in einer weniger dramatischen Rolle besser aufgehoben. Unter dem übrigen Ensemble waren zwei ehemals Große der Opernbühne zu hören: Hanna Schwarz als Kneipenwirtin und Rosalind Plowright als Witwe Sedley, beide bewiesen, dass man auch in kleinen Rollen brillieren kann, wenn man so viel Routine mitbringt wie diese beiden Sängerinnen.

Das Publikum war begeistert, man kann nur hoffen, dass diese Oper bald auch wieder in der Staatsoper zu hören sein wird.  
Johannes Marksteiner

 

 

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