Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Theater an der Wien: LES CONTES D’HOFFMANN – Premiere

04.07.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/Theater an der Wien: LES CONTES D’HOFFMANN Premiere 4. 7.2012


Marlis Petersen. Foto: Barbara Zeininger

Eigentlich geplant war eine Wiederaufnahme der Friedkin-Inszenierung vom März. Infolge mangelnden Erfolg und Differenzen, wurde daraus jedoch nichts. So kam es zu einer völligen Neuproduktion und der Intendant des Hauses führte selbst Regie. So etwas wird es kaum jemals geben: zwei verschiedene Produktionen desselben Werkes am selben Haus. Dazu schuf Herbert Murauer die gesamte Ausstattung. Die Bühne ist recht sparsam eingerichtet, aber doch sehr gut in der Wirkung, auch durch die ausgezeichnete Lichtführung/Norbert Chmel. Intendant Roland Geyer führt ganz gekonnt Regie. In allem ist es gegenüber der März-Produktion eine deutliche Verbesserung.

Riccardo Frizza leitete die Wiener Symphoniker durchaus solid und gut, aber es gibt keine besondere und wirkungsvolle Stimmung. Es ist eben alles solide und ohne Akzente.

Das hinreißende Plus des Abends ist jedoch Marlis Petersen in allen weiblichen Hauptrollen. In vielen Opernjahre erlebte ich so etwas nur ein einziges Mal: vor etwa 20 Jahren an der Met in New York sang Carol Vaness ebenfalls Olympia, Antonia, Giulietta und Stella; dazu gab es damals Domingo und Ramey. Petersen ist ein Phänomen im Singen und in der Darstellung. Olympia ist ein Aufstiegs-süchtiges Model, dazu herzlos sich selber in Szene setzend. Umwerfend ist, wie sie das spielt. Ihre Stimme ist nun lyrisch, voll und immer schön, aber sie singt erstklassige Koloraturen, legt dazu zusätzliche Fiorituren ein, hat alle Höhen. Dann als Antonia, die sie und gefühlvoll singt. Und zuletzt die Sexbombe Giulietta ganz umwerfend, wie sie die Männer bezirzt. Und auch da ist ihr Gesang vollendet. Sie ist eigentlich immer dieselbe Person in verschiedenen Ausformungen. Kurz gesagt: sie ist eine Wucht!

Gleich beim ersten Hören, überzeugte Arturo Chacón-Cruz durch seine auffallend schöne Stimme. Anfänglich schien er etwas gehemmt, im Verlauf erblühte seine Stimme immer mehr. Er besitzt ein farbiges, gerundetes, farbiges und warm getöntes Timbre, dazu singt er ausgeglichen und höhensicher, alles problemlos. Es scheint ziemlich sicher, dass man in den nächsten Jahren von ihm noch viel hören wird. Er hat das Zeug dazu.

Mit profunder, aggressiver Stimme sang John Relaya die vier Bösewichter, unübersehbar durch seine große Gestalt. Nicht zufällig singt er an allen großen Häusern diese Gestalt, die gewohnt ist, sich durchzusetzen.

Roxana Constantinescu gefiel mir als Muse/Niklausse diesmal besser als im März, aber ein starkes Vibrato war auch diesmal zu bemerken. Die vier Dienerrollen sind diesmal ohne die übliche Komik, gestaltet von Eric Armann. Die weiteren Sänger waren alle rollendeckend, mit Oliver Ringelhahn, Pavel Kudinov, Martijin Cornet, Julien Behr, Macije Idziorek, Ann-Beth Solvang.

Während des Abends gab es nur spärlichen Szenenbeifall, auch weil nie jemand vor den Vorhang trat. Aber zum Abschluss brach großer Beifall aus. In verschiedener Intensität wurden Alle damit bedacht, auch der Intendant-Regisseur. Es wurde jedenfalls eine Produktion, die man empfehlen kann, trotz der herrschenden Hitze. Es ist wert, sich die Sache anzuschauen!

Martin Robert BOTZ

 

 

Diese Seite drucken