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WIEN/ Theater an der Wien: JENUFA

22.02.2022 | Oper in Österreich

21.02.2022 Theater an der Wien „Jenufa“

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Foto: Theater an der Wien/

Zum Abschluss der Aera Geyer wurde Janaceks Oper aufgeführt. Wie es sich in diesen absage- und verschiebefreundlichen Zeiten gehört, ein bisschen später als geplant. Überraschenderweise aber war das Produkt der Mühen sehr viel besser als erwartet, eigentlich die Krönung dieser langen Direktion. Selten spürt man, dass alles passt, die Inszenierung (Lotte de Beer) versucht nicht, Birnen als Äpfel darzustellen, sondern eine Tragische Geschichte dicht, packend und klar strukturiert zu erzählen, auf sämtliche Mätzchen zu verzichten, die Personen glaubwürdig agieren zu lassen, kurzum, die Kirche im Dorf zu lassen. Auch das Bühnenbild (Christof Hetzer) und die Kostüme (Jorine van Beek)bilden eine perfekte „Beilage“ dieses gelungenen Abends.

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Auch musikalisch war nichts auszusetzen, Marc Albrecht führte das exzellent spielende RSO zu Höchstleistungen. Kleiner Malus – meinem empfindlichen Gehör geschuldet – die Lautstärke ist nicht jedermanns Sache. Andererseits, wie kann der Effekt der Musik anders gesteigert werden als durch erhöhte Phonzahl? Janacek hat allerdings gnadenlos auf dies kräftigen Klänge gesetzt, um ebendiese Dramatik ordentlich zu untermauern. „Weniger wäre mehr gewesen“ ist natürlich eine Majestätsbeleidigung… Der Arnold Schönberg-Chor unter Erwin Ortner war natürlich ein zentrales Moment in dieser Oper, hervorragend wie immer.

Auch die Sängerriege entfachte Begeisterungsstürme. An der Spitze Nina Stemme als Küsterin. Diese Wucht, diese Dramatik und Ausdruckskraft waren beispiellos. Der kleine Einwand betreff des Orchsters galt aber auch für sie. Svetlana Aksenova sang die Titelrolle sehr ordentlich, der Vergleich mit Nina Stemme ließ sie allerdings etwas blass aussehen. Pavol Breslik sang den Steva mit Bravour, sein Tenor hat sehr an Kraft und Dramatik gewonnen. Pavel Cernoch war als Laca ebenfalls mit mächtiger Stimme am Werk. Auch die anderen Sänger konnten bestens gefallen.

Ein Abend wie man ihn sich öfter wünschte.

Johannes Marksteiner

 

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