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WIEN / Theater an der Wien: ICH, SCHIKANEDER

24.03.2012 | Theater

WIEN / Theater an der Wien: 
ICH, SCHIKANEDER von Susanne Wolf
24. Februar 2012 

Sagt man es freundlich, so war es schlecht besucht, sagt man es brutal, so war das Theater an der Wien beschämend leer. Was zweifellos an einer ungeschickten Disposition liegt – einen mehr oder minder Solo-Abend einmal im Monat anzusetzen, wenn sich vermutlich auch schon herumgesprochen hat, dass er weniger als eine Stunde dauert (das ist dürftig, selbst bei reduzierten Preisen)… so viele Adi-Hirschal-Fans gibt es nicht in Wien, um dieses Schmankerl im riesigen Theater an der Wien mehrfach zu füllen. Zumal wohl auch das Interesse des Publikums an Emanuel Schikaneder im Jahr seines 200. Todestages nicht so groß ist, wie man hoffen konnte.

Kurz, da besitzt man jetzt das kleine Haus der Kammeroper, wo eine Produktion dieser Art ideal hineinpasst – und dann stellt man den einsamen Mann (flankiert von zwei Sängern und einem Klavier) ins Theater an der Wien, wo alles außer Parterre und Parterrelogen gesperrt ist, nur damit er einmal sagen kann: Dieses Theater sei sein Werk? Dabei war Schikaneder der Letzte, der mit leeren Häusern leben konnte – das war gegen seine Religion.

Man weiß, wie geschickt Susanne Wolf überlicherweise historischen Persönlichkeiten  auf den Leib ausgewählter Darsteller schneidert, aber bei Schikaneder ist es nicht sonderlich spannend ausgefallen. Wie einst Salieri bei Peter Shaffer lässt er als alter, geistig verwirrter Mann sein Leben vorbeiziehen und gleitet in die Erinnerungen seiner frühen Jahre. Immerhin erfährt man einiges über sein Leben, was man im Detail wohl nicht wusste.

Jennifer Davison, Klemens Sander und Anton Ziegler am Klavier singen im Alltagsgewand aus der „Zauberflöte“, Adi Hirschal hingegen liefert im Kostüm der Mozart-Zeit eine Menge Lazzi, zündete aber das Publikum nicht wirklich zu Begeisterung an.

Heiner Wesemann

 

 

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