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WIEN/ Theater an der Wien: CAPRICCIO

29.04.2016 | Oper

29.04.2016   Theater an der Wien   „Capriccio“

Es dauerte 74 Jahre, ehe ein geniales Regiekonzept Licht ins Dunkel der letzten Oper Richard Strauss‘ brachte. Ohne Krieg, Mord und Totschlag geht heutzutage gar nichts mehr. Es ist zu befürchten, dass die Regisseurin Tatjana Gürbaca auch dem „Liebestrank einen seltsamen Verlauf geben würde, etwa in dem das Paar sein tristes Dasein mittels Einatmen giftiger Salzgurken beendet. Auch ist nicht klar, warum sie nicht eine Rahmenhandlung  erfunden hat, in der die Putzfrau eines Museums träumt, sie wäre eine Gräfin….

Genug gelästert über ein Regiekonzept, das eine relativ simple Handlung für den ungeübten Operngast unverständlich machte. Zum Glück gab es die Musik, die das alles nebensächlich machte. Wie schrieb ein Kritiker „… bei geschlossenen Augen die Musik genießen“, besser kann man es nicht treffen. Maria Bengtsson als Gräfin bot die beste Leistung des Abends. Ihr heller, klarer, lyrischer Sopran klang in allen Höhen und Registern wunderbar, unbeirrt von herumliegenden Kollegen sang sie sich in die Herzen der Zuhörer. Als einzige durfte sie sich sehr normal über die Stufen der Bühne bewegen, stets die hochherrschaftliche Dame. Sehr gut konnte auch Andre Schuen als Graf gefallen, mit markiger Stimme war er ein Fels in der Brandung. Auch Jörg Schneider als italienischer Sänger ließ aufhorchen, ihn würde man gerne in einer größeren Rolle hören. Ausgezeichnet auch Daniel Schmutzhard als Dichter Olivier und Daniel Behle als der Musiker Flamand. Lars Woldt sang den Theaterdirektor La Roche mit großer Stimme, bei der man trotz einer vorher angesagten Indisposition wenig Einbuße an Kraft bemerken konnte.

Ein großes Lob ist den Wiener Symphonikern auszusprechen, die auf dem für sie ungewohnten Terrain der Opernwelt vorzüglich spielten. Bertrand de Billy sorgte für dosierte Klangmassen und war stets ein aufmerksamer Begleiter der Sänger, sein Anteil am Gelingen der Aufführung war beträchtlich. Das Publikum, das man ohne Pause zweieinhalb Stunden mit großartiger Musik überhäuft hatte, bedankte sich beim Ensemble mit viel Applaus.

Johannes Marksteiner

 

 

 

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