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WIEN/ Stadthalle“ SERVUS PETER – Hommage an Peter Alexander – Blutaustausch im Wiener Migrantenviertel

01.07.2016 | Konzert/Liederabende

30.6.2016, Wiener Stadthalle: „Servus Peter – Hommage an Peter Alexander“

 

BLUTAUSTAUSCH  IM  WIENER MIGRANTENVIERTEL

Das ist ja nicht das allerschönste Geburtstagsfest für Peter Alexander gewesen! Seinen 90. Geburtstag hätte der 2011 verstorbene Publikumsliebling am 30. Juni gefeiert, und zu „Servus Peter – Hommage an Peter Alexander“ hat die Wiener Stadthalle an diesem Tag gebeten. Wie hören sich jetzt viele Jährchen später die alten Hits des beliebten Entertainers an? Nun, eine tolle Schlagerparade ist es ja nicht geworden, sondern ein echtes Kuriosum  für die gestandenen Wiener Bürger, die in die Halle F gekommen sind. Ein deutsches Tourneegrüppchen, mäßig begabt, hat sich mit einem primitiven Verschnitt der operettigen „Weissen Rössel“-Story mit einigen Peter Alexander-Schlagern auf die breite Bühne der Halle F gewagt und dort mit rheinländischem Karnevalsklamauk dem Wiener Supercharmeur gehuldigt. Immerhin, in den Garderoben sind zum Lärmschutz auch Schaumstoffohrenschützer aufgelegen. 

Rechtzeitig ab in der Pause? Nun ja, der abschließende ‘Geburtstagsempfang‘ dürfte wohl im eher geistlosen Bussi-Bussi-Stil der der sich so nennenden VIP-Gesellschaft abgelaufen sein. Einer untergehenden gar? Denn das Wiener Oldies-Publikum, welches zum Peter Alexander-Unfest gepilgert ist, wird die Stadthalle wohl nicht allzu lang mehr beglücken können. Generationenwechsel, claro! Und was kann sich hier in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren kulturell entwickeln?

Weit interessanter war es somit, rundum durch das nächtliche Umfeld der Stadthalle zu streifen und sich ein Bild über dessen soziale Struktur zu machen: Neubaugürtel, Lugner City, das einträgliche Erotik-Geschäft, ältere und neue Einwanderer, Sprachengewirr, eine richtige Migrantenzone, überwiegend ärmere wie auch einige kaputte Menschen, recht viel Schmutz auf der Straße und in den Öffis. Gewalttäter schienen keine in Sicht zu sein. Allerdings, man kann nie wissen – nicht viele, doch einige Toilettenanlagen sind hier doch zu finden. Mehr und mehr Migranten rücken nach, und ein totaler Blutaustausch steht wohl in absehbarer Zeit in diesem weit ausgedehnten Viertel der Stadt bevor. Die altehrwürdige große 2. Wiener Zentralberufsschule gleich hier in der Hütteldorferstraße hat zwar in den Nächten geschlossen – immerhin, ein bisschen Aussicht auf Hoffnung auf weitergegebenes Wissen und Arbeitskultur ist durch sie für die Zukunft gegeben.

Meinhard Rüdenauer

 

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