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WIEN/ Staatsoper/Staatsballett: MAYERLING – Kronprinz Rudolfs letzte Tage

30.11.2014 | Allgemein, Ballett/Tanz
29.11.2014: „MAYERLING“ – Kronprinz Rudolfs letzte Tage
 
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Nina Toloni, Roman Lazik. Copyright: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

 

 Kronprinz Rudolfs Tod, getanzt: Diese Episode aus den Jahren des Unterganges des Hauses Habsburg hat sich ein Brite ausgedacht. Kenneth MacMillan (1929 – 1992), der schottische Choreograph mit ausgeprägtem Tiefblick für psychologische Handlungsstränge, hat sich die gute Story 1978 für das Londoner Royal Ballet ausgedacht. 2008 wurde MacMillans „Mayerling“ unter dem früheren Wiener Ballettdirektor Gyula Harangozó auch in der Staatsoper einstudiert, und nach einer mehrjährigen Pause ist dieses Ballettdrama nun in fünf Aufführungen mit drei alternierenden Besetzungen als eine in kräftigen Farben schillernde üppige Kostümrevue (Ausstattung: Nicholas Georgiadis) wieder zu sehen. 

 Auf dem Friedhof in Mayerling beginnt es in schummriger Morgendämmerung, und ebendort endet es mit Mary Vetseras geheim gehaltenem Begräbnis.  Und dazwischen ist schon einiges in einer sehr ausgedehnten, doch kontrastreichen Szenenfolge an aufputschenden erotischen Szenen, an höfischer Etikett, an mit absolutem choreographischen Fingerspitzengefühl gestalteten Dialogen zwischen dem Kronprinzen und den sich seinen sexuellen Verlangen hingebenden Damen in diesem dreiaktigen Handlungsballett zu erleben. Raffiniert zusammengestellte Musikexzerpte von Franz Liszt (Auszüge aus Eine Faust-Symphonie, Mephisto-Walzer, Mazeppa, viel anderes mehr), recht nervig vom Orchester unter Dirigent Guillermo García Calvo an die Tänzer weiter gegeben, untermalen Kronprinz Rudolfs letzte Tage, welche keineswegs von wahrem Liebesglück gesegnet waren. 

 Eine gute und gut vom Publikum aufgenommene Aufführung. Die Wiederaufnahme ist positiv auch für das geforderte große Tänzeraufgebot anzusehen, welches sich hier jedenfalls nicht nur als rein klassisch dressiert zeigen darf. Roman Lazik konnte bei seinem Rollendebüt als attraktiver, doch mit bleicher Miene seinen vorgezeichneten Weg gehender Kronprinz Rudolf voll überzeugen. Er charakterisierte einen in seinen Handlungen schwer gehemmten, zweifelnden, wiederholt aufbegehrenden doch an mangelnder Energie scheiternden Thronfolger. Irina Tsymbal,  bereits die Mary Vetsera in der Premierenbesetzung und somit mit ihrer Rolle bestens vertraut, verkörperte mit mitreißender Ausdruckskraft und Dynamik eine hingebungsvoll Liebende. 

Die elegante Damenriege führte als die Eleganteste im habsburgischen Aufgebot Dagmar Kronberger als Kaiserin Elisabeth an. Alice Firenze überzeugte als expressive Mizzi Caspar, Kiyoka Hashimoto als Rudolfs Gemahlin Stephanie, Ketevan Papava als Gräfin Larisch. Weiters im höfischen Gefolge: Nina Tonoli (Prinzessin Louise), Anita Manolova (Erzherzogin Gisela), Elena

Bottaro (Erzherzogin Marie Valerie), Gabor Oberegger (Graf Taaffe), Kamil Pavelka (Graf Hoyos), Jaimy van Overeem (Graf Larisch). Vergessen wir nur nicht auf unseren mit dezenter Noblesse auftretenden Kaiser Franz Joseph (Thomas Mayerhofer). Und als die von MacMillan ebenfalls herbei zitierte Katharina Schratt trat Mezzosopranistin Ulrike Helzel zur melancholischen „Ich scheide“-Gesangseinlage  an. Markante Erscheinungen im Ensemble, wie zu erwarten: Denys Cherevychko als Rudolfs Leibfiaker Bratfisch sowie Eno Peci als Elisabeths Reitlehrer Colonel „Bay“ Middleton. Ja, das alles fügt sich in einem großen Bogen zusammen und passt, auch wenn Importgut aus England, durchaus in das Wiener Opernhaus.

Meinhard Rüdenauer

 

 

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