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WIEN / Staatsoper: WERTHER

15.11.2015 | KRITIKEN, Oper

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Foto: Wiener Staatsoper / Pöhn

14.11.2015
„WERTHER“

In dieser Serie ist mit Elina Garanča wieder die Charlotte der Premiere zurückgekehrt. Und das mit durchschlagendem Erfolg. Ihre weiche, dunkle Stimme passt hervorragend zu dieser Rolle und sie verkörpert glaubwürdig die junge Frau, die den von der Mutter gewünschten Gatten heiratet und die Gefühle für Werther unterdrückt. Erst im dritten Akt bricht ihre Maske auf und sie wird sich ihrer eigenen Gefühle bewusst. So geraten die beiden Soloszenen in diesem Akt auch zu Höhepunkten des Abends.

Matthew Polenzani sang nach einer Serie in München nun auch in Wien seinen Werther. Er ist ein eher introvertierter Typ, der nicht zu den großen Ausbrüchen neigt und gestaltet die Partie musikalisch aus der französischen Tradition und setzt sehr viel eine schön kontrollierte voix mixte ein. Allein das Diminuendo in der ersten Strophe des Pourquoi me reveiller war hörenswert, ebenso wie das, bis auf eine Phrase mit mezza voce gesungene Schlussbild.

Den rechtschaffenen, aber dem Titelhelden doch sehr im Weg stehenden Albert gab Markus Eiche mit schön geführtem Bariton. Da es ihm gelang, die echten Gefühle für Charlotte glaubhaft erscheinen zu lassen, nahm er der Partie den ihr anhaftenden negativen Aspekt. Erfreulich, dass nach einiger Zeit wieder Alfred Šramek als Amtmann zu sehen war und den Kinder der Opernschule Weihnachtslieder beibrachte. Charlottes Schwester Sophie war Hila Fahima, die mit sehr soubrettiger Stimme mit dem restlichen Ensemble nicht ganz Schritt halten konnte. Peter Jelosits und Mihail Dogotari ergänzten mehr oder weniger unauffällig als Schmidt und Johann.

Am Pult stand mit Fréderic Chaslin ein Spezialist für die französische Oper. Er ließ es oft gewaltig aufrauschen, um die Ohrwürmer auch fest in den Gehörgängen zu verankern, aber den Solisten gegenüber war er stets rücksichtsvoll und zurücknehmend.

Wolfgang Habermann

 

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