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Wien/ Staatsoper: UN BALLO IN MASCHERA – Vargas ist zurück!

16.01.2016 | Oper

WIEN/ Staatsoper:  “UN BALLO IN MASCHERA“ –  Vargas ist zurück und Oscar schießt den Vogel ab!

15.1.2015


George Petean, Kristin Lewis. Copyright: Wiener Staatsoper/ Pöhn

 Ramon Vargas kehrte nach fast zweijähriger Absenz an die Staatsoper zurück. Die Stimme ist wieder voll da und hat ihr schönes Tenortimbre behalten. Hatte er am 12. 1. noch etwas vorsichtig begonnen, so legte er diesmal als Gustavo III. gleich so richtig los. Auch die schönen Pianophrasen waren wieder zu hören, die ja immer seine große Spezialität waren. Als Darsteller ist er wie immer sehr glaubhaft. Diese Inszenierung ist ja für eine normale Rollengestaltung ideal.

Einfach umwerfend ist der Oscar der jungen Russin Maria Nazarova. Ihre wunderschöne Sopranstimme mit lyrischer Basis und Koloraturbeweglichkeit strahlt und leuchtet in allen Lagen. Ihre beiden Arien setzten Höhepunkte des Abends und in allen Ensembles mit Oscar war sie nahezu allein stimmführend. Als Schauspielerin ist sie locker, temperamentvoll und immer überzeugend. Wer hätte gedacht, als man sie im März 2014 bei einer Aufführung der Musikuniversität Wien in einer „Viaggio a Reims“ zum ersten Mal hörte, dass sie bereits im November 2015 als Barbarina erstmals auf der Bühne der Wiener Staatsoper stehen würde!

Als Amelia konnte Kristin Lewis mit ihrer schönen, ausdrucksstarken Stimme erfreuen. Ihre Darstellung ist sehr innig und feminin, beide Arien, eine schwerer als die andere, gelangen ausgezeichnet und sie kann immer auch mit wunderschönen Piani begeistern. Ulrica kam aus dem Ensemble. Stolz kann man sein, dass man eine Sängerin wie Monica Bohinec dabei hat. Ihre Ulrica ist allererste Klasse. Angefangen vom ersten Ton aus dunkler Tiefe bis zu den Höhen konnte die Sängerin mit ausgeglichener, perfekt geführter Altstimme fesseln und einen als geheimnisumwitterte Wahrsagerin Schauer über den Rücken jagen. George Petean, bereits vor einiger Zeit statt Keenlyside engagiert, also kein ad hoc Einspringer, hatte einen besonders guten Abend. Als exquisiter Verdi-Bariton kann er beim Renato mit allen Ausdrucksfacetten, auch mit wunderbaren Piano-Phrasen, beeindrucken. Man nimmt ihm den treuen Gefolgsmann und Freund des Königs ebenso ab wie den empörten, von Eifersucht auf den Rivalen gerüttelten Ehemann, und in „Eri tu“ ist sehr berührend als der einst so glücklich liebende Mann, der nun seine Lebensinhalt verloren hat, der zuletzt aber auch voll tiefer Betroffenheit seine Untat erkennt.

Die unangenehmen Widersacher des Königs Gustaf, Graf Horn und Graf Warting, waren Alexandru Moisiuc mit schnarrendem, vordergründig böse klingendem Bass und Dan Paul Dumitrescu mit tiefer, fast schwarzer Samtstimme. Ob er nicht am Ende der gefährlichere ist? In kleinen Rollen konnte Martin Walser als Christian mit gesundem lyrischem Bariton gefallen und Benedikt Kobel war ein pingeliger Richter und ein duckender Diener.

Am Pult sorge Jesús López Cobos für ausgewogenen Verdi-Klang mit so manchen fein differenzierten Momenten in der Sängerbegleitung. Der Chor war, wie immer unter Thomas Lang gut geführt, wieder ein herrlicher Klangkörper, der viel zur Gesamtwirkung der großen Schlussszene beitrug..

Die 85. Aufführung dieser stilistisch sehr geglückten Inszenierung ist ein Beweis, dass konservatives Theater auch heute seinen Platz hat und haben muss. Nicht jeder will die Alltagskleidung „Stil 0/8/15“, die er überall auf der Straße sehen kann, auch auf der Bühne zu dieser Musik haben. Das wunderbar verspielte Bühnenbild von Emanuele Luzzati, das die Zeit Gustafs III. widerspiegelt und die entsprechenden Kostüme von Santuzza Cali verzaubern uns in diese Welt und ihre Ansichten und Verhaltensweisen zurück. Und überdies dürfen die Sänger Sänger bleiben, um uns mit Verdis eleganten Kantilenen zu fesseln. Möge die Produktion uns noch lange erhalten bleiben!

Ein Kompliment wieder an die Maskenbildner und ein Danke dafür, dass nun auch Gustavo und Renato der Handlungszeit entsprechende Frisuren haben.

Der Applauspegel schlug bei Oscar/Maria Nazarova am heftigsten aus.  

Elena Habermann         

   

 

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