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WIEN/ Staatsoper: UN BALLO IN MASCHERA – Fast eine Gala!

27.04.2016 | Oper

WIENER STAATSOPER, 26. April 2016

Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera: Fast eine Gala!


Piotr Beczala. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Bevor sich die Staatsopernsaison 2015/16 dem Ende zuneigt, zeigt das Haus am Ring eindrucksvoll wozu es im Stande ist. So auch bei der April-Serie von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera, die mit einer exquisiten Besetzung aufwarten konnte. Wobei schon klar ist, dass Namen alleine nicht genügen, um Qualität zu garantieren. Aber wenn so gesungen wird wie in der dritten Aufführung dieser Serie, dann kommt man schon sehr nahe an das Prädikat „Gala-Vorstellung“. Und auch der Vergleich machte sicher, denn zwei Tage zuvor lief die Aufzeichnung derselben Oper in der Münchener Neuinszenierung. Auch wenn natürlich der TV-Ton trotz Kopfhörer-Wiedergabe nicht ein Live-Hören ersetzen kann, hatte man schon den Eindruck, dass gerade Piotr Beczala sich in Wien viel wohler fühlte als in Bayern. Kein Wunder, wenn man die Abneigung des Polen gegen Regietheaterauswüchse kennt (und bei Bachler in München sah man wieder einmal abgeschmacktes, belangloses Zeitgeistiges). Da kann er in Wien sich schon eher auf Altbewährtes verlassen. Die 30 Jahre alte De Bosio-Inszenierung schrammt zwar auch bei ihrer 89. Reprise haarscharf an einer Opernparodie vorbei, repertoiretauglich, wie es so schön heißt, ist sie allemal. Beczala liegt die Rolle des Gustafs auch viel besser als etwa der Duca in Rigoletto und er bringt diesmal erstaunliche Italianità zum Schwingen. Die Arie im ersten Akt „verschenkte“ er zwar ein wenig, aber dann kam er immer besser in Schwung, auch die Seufzer wirkten nicht mehr aufgesetzt. Als Höhepunkt darf man sicher das Duett mit Amelia im zweiten Akt bezeichnen, als das Publikum schon prächtig in Stimmung war und in lautstarken Jubel ausbrach.

Daran hatte aber Krassimira Stoyanova zumindest 50-prozentigen Anteil, deren slawisches Timbre auch zu einer Amelia perfekt passt. Besonders in den tieferen Passagen war da sehr viel rauszuholen, was der seit 18 Jahren am Haus singenden Kammersängerin auch prächtig gelang. Kaum Schärfen in der Höhe, eine reine Freude ihr zuzuhören und man ist froh sie hier in Wien zu haben. Wenn dann noch der Dritte im Bunde Dmitri Hvorostovsky heißt kann eigentlich nichts schief gehen. Besonders erfreulich bemerkte der Opernfreund, dass der Bariton aus Krasnojarsk nach seine schwere Erkrankung offenbar wieder zur Top-Form zurückgefunden hat. Da stört es zumindest mich gar nicht mehr, durch sein lautes Einatmen ein wenig irritiert zu werden, da bin ich einfach heilfroh diesen charismatischen und sympathischen Sänger wieder auf der Bühne sehen und hören zu dürfen. So menschlich kann auch das Opern-Business sein.

Ganz erfreulich ist zu vermerken, dass auch die Nebenrollen von hoher Qualität geprägt waren: Eine Nadia Krasteva als Ulrica mit sinnlicher Altstimme, Hila Fahimas Oscar nach holprigem, flatterndem Beginn mit glockenhellen, exakten Koloraturen und der in der Minirolle des Christian aufhorchen lassende Igor Onishchenko! Ergänzt wurde der Cast durch die beiden Verschwörer Alexandru Moisiuc und Sorin Coliban und Richter Thomas Ebenstein.

Jesús López Cobos dirigierte unaufgeregt, hatte einige Male allerdings alle Hände voll zu tun, die Solisten auf Schiene zu bringen. Stoyanova und Hvorostovsky bedankten sich am Ende auch sichtbar bei ihm und beim Mann im Souffleurkasten. Es wären zwar noch einige Feinheiten mehr im Orchester herauszuholen gewesen, aber man kann ja nicht alles haben. Das Publikum bejubelte schon während der Aufführung jede Arie (und diese Oper besitzt ja eine Menge Ohrwürmer), sodass man um fast 20 Minuten „überzog“. Der Schlussapplaus währte zehn Minuten, völlig zu Recht!

PS: Das Verhalten von Menschen ist von Vorbildern geprägt! Und so wundert es einen doch, wenn „le directeur“ nach Ulricas Arie zu seinem Smartphone greift und dessen Display hell in den Zuschauerraum leuchtet – wird die eingehende Mail wirklich so wichtig gewesen sein oder wollte er nur den Spielstand Man City gegen Real Madrid abfragen? Wir werden und wollen es nicht wissen, Vorbild ist man damit aber keines. Halt ein Pech, wenn man gerade im Sichtfeld des Merker-Schreiberlings sitzt!

Ernst Kopica

MERKEROnline

 

 

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