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WIEN / Staatsoper: UN BALLO IN MASCHERA

08.11.2013 | Oper

WIEN / Staatsoper: 
UN BALLO IN MASCHERA von Giuseppe Verdi
81. Aufführung in dieser Inszenierung
7.November 2013  

Das Interesse des Stehplatzes war an diesem Abend auffallend gering, aber das lag wohl daran, dass man die Besetzung schon sehr gut kennt – Ramón Vargas und George Petean waren bereits mehrfach gemeinsam „Gustavo und René vom Dienst“, auch Sondra Radvanovsky hat Anfang des Jahres die Amelia schon zweimal gesungen (und außerdem in jenem „Maskenball“ der Met, den man im Kino sehen konnte). Dennoch ist es dann – bei allen Einwänden, und davon gibt es einige – ein spannender Abend geworden, der das Publikum über weite Stellen mitgerissen hat.

Wofür man gleich zu Beginn den Verantwortlichen ausmachen kann: Dirigent Jesús López-Cobos dirigierte den „Ballo“ erstmals in Wien, und so sehr man ihn schätzt, das war nun vor allem jenes markige Gedröhne, das Kapellmeister gerne entfesseln, die weder Zeit noch Lust haben, sich mit Feinheiten abzugeben (immerhin war das eine oder andere Lyrische doch schön…). Aber das ist das Geheimnis von Verdi, wie auch Riccardo Muti in seinem Buch über den Komponisten so wunderbar ausführt: Er spricht mit seiner Musik den Zuhörer so direkt emotional an, dass man die Lautstärke für Intensität nimmt… Es hat jedenfalls funktioniert.

Ramón Vargas ließ sich als verkühlt entschuldigen, was man höchstens an minimalen Trübungen merkte, und sang wie schon so oft einen überaus überzeugenden Gustavo (den alte Verdianer aus Gewohnheit immer noch innerlich „Riccardo“ nennen, aus der Zeit, bevor man die Schweden-Fassung des Werks eingeführt hat). Vom stürmisch Liebenden bis zum tragisch Sterbenden geht der Weg von Schwung und Animo bis zum letalen Ende, und wenn man genau zuhört und weiß, wie unglaublich schwer gerade diese Partie technisch ist, dann findet sich Vargas immer ganz wunderbar auf der Höhe seiner Aufgabe. Mag man seinen Don Carlos nicht so überzeugend finden – im „Maskenball“ ist er goldrichtig.

Bei George Petean, ein bewährter Recke als doch sehr grimmiger René, gab es gerade vor seiner großen Arie ein paar angstvolle Momente, die anzuzeigen schienen, dass er dieser hochdramatischen Rolle an diesem Abend vielleicht nicht ganz gewachsen sein könnte, aber dann sang er sein „Eri tu“ tadellos, mit schönem Bariton, der nur leider nicht A-Klasse-Qualität hat. Aber im Repertoire muss man für solche Sänger dankbar sein.

Sondra Radvanovsky zählt neben René Fleming, Deborah Voigt oder Karita Mattila zu jenen Sängerinnen, die man in erster Linie mit ihrem Stammhaus, der New Yorker Met, in Verbindung bringt. Sie ist eine schöne Frau, die sich (wie die anderen „Amerikanerinnen“ auch – selbst wenn sie anderswoher stammen, die Met macht sie zu solchen) hervorragend herrichten kann: Man hat drüben seine Stars gerne „schön“. Stilistisch ist sie ein „Schmetter-Sopran“, der sich sehr selten die Mühe machte, die hier so häufig verlangten Piani zu singen (und wenn, sind sie nicht sonderlich gelungen). Ihre Arie „Morro ma prima in grazia“ gelang, solange sie die Stimme zurücknahm, aber sie tut es nur selten und offenbar nicht gern. Ihre tragfähige Mittellage steigt zu einer metallischen höheren Mittellage auf, die regelmäßig in gewaltige, messerscharfe Spitzentöne explodiert. Wer Belcanto schätzt, wird damit nicht unbedingt glücklich, aber das Publikum schien von so viel Hochdramatik beeindruckt.

Erstaunlich erfreulich war die Begegnung mit der Ulrica von Monica Bohinec. Die Rolle umfasst zwar nur eine große Szene, ist aber mit ihrer extremen Spannweite zwischen Hoch und Tief und dem geforderten dramatischen Nachdruck so anspruchsvoll, dass sie auch mit Stars nicht immer zufrieden stellend besetzt werden kann. Hier hat nun ein Ensemblemitglied die Kraft, leuchtende Höhe und satte Tiefe (nur ganz tief unten wird’s ein wenig schwieriger) für die Ulrica, und das machte wirklich Effekt.

Nicht ganz so überzeugend fiel das Oscar-Debut von Valentina Nafornita aus, die man noch als schöne Schwester der Cenerentola in Erinnerung hat: ein hübscher Page mit dunklem Lockenkopf, das wahrlich, aber die Stimme nicht leicht und die Koloraturen nicht sauber genug, das hat man schon um vieles „perlender“ gehört.

Mit Alexandru Moisiuc und Sorin Coliban hatte man für die Verschwörer geradezu Fasolt und Fafner aufgeboten, Mihail Dogotari debutierte überzeugend in der Ulrica-Szene als Christian, Peter Jelosits forderte als Richter die Verurteilung der Hexe.

Das alles spielte sich in der nicht mehr taufrischen Inszenierung von Gianfranco de Bosio ab, die hauptsächlich noch aus dem Bühnenbild von Emanuele Luzzati besteht, das gewissermaßen „zitierend“ bewusst barockes Kulissentheater auf die Bühne stellt. Ein nicht störender Rahmen für starke Protagonisten, und davon gab es einige. Viel Beifall.

Renate Wagner

 

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