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WIEN/ Staatsoper: UN BALLO IN MASCHERA

01.02.2013 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: Giuseppe Verdi: UN BALLO IN MASCHERA – am 31. Jänner 2013

 Nachdem Roberto Alagna die Don Carlo-Serie im Herbst vergangenen Jahres abgesagt hatte, kehrte er nun erstmalig in dieser Saison an die Wiener Staatsoper zurück. Und wer den Spielplan kennt, weiß, dass der Tenor noch einige Auftritte bis zum Saisonende in Wien absolvieren will.

Nun also erstmals der Riccardo in Verdi’s Maskenball. Und Alagna war an diesem Abend leider ein Totalausfall. Er holperte mehr durch sein Auftrittsarioso,  als dass er es sang. Kein Schmelz, keine Symbiose von Stimme und Musik. Er wirkte, als würde er sich auf der Bühne erst einsingen. Auch im folgenden Bild klang die Stimme schwer und unflexibel, mehr brüllend als singend. Im zweiten Akt konnte man zwar eine leichte Besserung konstatieren, doch nach der zweiten Pause bzw. vor dem dritten Akt ließ er sich dann wegen Unwohlseins ansagen und das war auch gut so. Denn er quälte sich und die Zuschauer durch die große Arie, stemmte sich mit Mühe zu den hohen Tönen, er hatte Schwierigkeiten mit dem Registerwechsel, und die Stimme wackelte. Es ging dann bei ihm wirklich gar nichts mehr zusammen und der Szenenapplaus war dementsprechend moderat. Alagna’s Tagesverfassung war leider nicht die beste. Da musste er einem wirklich schon leid tun, denn ein sympathischer Mann ist er ja, und man hätte gerne etwas anderes von ihm gehört. Und rein optisch war er ja ein ansehnlicher Riccardo. Schade. Beim Schlussapplaus gab es dann aber doch überraschend viele Bravo-Rufe für ihn. Wohl auch weil er so tapfer durchgehalten hat.

 Auch des Königs‘ Freund und späterer Widersacher Renato war mit Gabriele Viviani nicht optimal besetzt. Dessen trockenem Bariton fehlte es an Farben, um die Figur mit rein vokalen Mitteln klangschön zu gestalten. Dadurch geriet sein Vortrag etwas monoton. Zudem mangelte es ihm in den entscheidenden Momenten etwas an Durchschlagskraft.

 So war es letztendlich die Amelia, die diesen Abend retten konnte. Und das tat sie. Sondra Radvanovsky feierte ihre größten Erfolge mit Verdi-Partien und die Amelia gehört zu ihren besten Rollen. Es ist natürlich Geschmackssache, ob man ihr eigenwilliges, von manchen als wenig sinnlich beschriebenes Timbre oder auch ihr sehr ausgeprägtes Vibrato mag. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Doch stimmtechnisch bewältigte sie die Rolle beachtlich. Ihre beiden Arien gerieten zu den Höhepunkten des Abends. Die Stimme der Radvanovsky konnte sich selbst in den größten Ensembleszenen mühelos durchsetzen und blitzte oft wie ein Lichtstrahl durchs Auditorium. Eine starke Stimme, aber eben Geschmackssache.

 Monika Bohinec standen die ganz dunklen Töne nicht so düster klingend zur Verfügung wie man das vielleicht für die Ulrica erwarten würde. Ileana Tonca ist dem Oscar stimmlich schon entwachsen. Da klang alles nicht mehr so leicht wie früher. Empfiehlt sich die Sängerin nicht inzwischen für andere Aufgaben?

Alessio Arduini war ein blasser Christian, Alexandru Moisiuc und Il Hong liehen ihre Stimmen den Grafen Horn und Warting.

 Nach anfänglichen Schwierigkeiten, das Orchester harmonisch zusammenzuführen, war Philippe Auguin dann letztendlich ein guter Begleiter, ohne dabei irgendwelche Akzente zu setzen.

 Das Publikum spendete zwar freudig Applaus, am meisten für Radvanovsky, aber nach fünf Minuten war dann alles schon vorbei. So rechte Verdi-Wonnen wollten sich da nicht einstellen und eine gute Sopranistin alleine macht noch keinen hervorragenden Maskenball.

 Lukas Link

 

 

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