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WIEN/ Staatsoper: TRISTAN UND ISOLDE

26.09.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: 25.9.2013 –  „TRISTAN UND ISOLDE“          

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Peter Seiffert im 3. Akt. Das Foto (Barbara Zeininger) ist aus der Premierenserie

Was manche Kritiker der neuen Produktion vorwerfen, empfinde ich als ihre Stärke. David McVicar versucht nicht, der „Handlung in drei Aufzügen“ eine „Action“ aufzuzwingen, sondern lässt in einem einfachen, aber wirkungsvollen Bühnenbild den Sängern weiten Freiraum, was diese bei den musikalischen Anforderungen der Partien sicher schätzen.

In der zweiten Serie wurde einiges an Personal ausgewechselt. Wie in der Premierenserie  ist Peter Seiffert der Tristan und er hat sich die Partie vollends zu eigen gemacht. Er teilt sich seine Kräfte klug ein und ist in der Lage, nach kräfteraubenden Passagen noch wunderbare Pianophrasen zu singen wie „ob sie im folge, treu und hold, das sag ihm nun Isold“. Im den Fieberphantasien des dritten Aktes geht er bis an seine Grenzen, scheint einmal fast zu straucheln, erfängt sich aber sofort wieder und bietet eine beeindruckende Gesamtleistung. Stephen Milling als Marke überzeugt mit einer ausgezeichneten Diktion, profunder Stimme und einem außerordentlichen Textverständnis. Als Isolde ist diesmal Linda Watson neu im Team. Sie ist vom ersten Ton weg die Hochdramatische, die mit großem Druck und beeindruckender Lautstärke loslegt. Mit diesem Druck nimmt auch das Vibrato von Akt zu Akt zu und der Liebestod ist höchstens zweithöchste Lust. Janina Baechle als Brangäne lässt sich dagegen nie in ein Forcieren treiben, kann aber mit ihren Soli im zweiten Akt nicht sehr überzeugen. Der neue Kurwenal von Markus Eiche dagegen ist ein echter Gewinn. Mit kraftvollem, nie forcierten Bariton gibt er den treuen Begleiter Tristans. Zwei Tenöre fallen positiv auf: Zu Beginn der junge Seemann, der von Pavel Kolgatin mit einer wunderbaren Mozartstimme gesungen wird und das neue Ensemblemitglied James Kryshak, der den Hirten mit sehr gepflegter Stimme singt.

Am Pult steht wieder Franz Welser-Möst, der die Spannungsbögen sehr gut und differenziert herausarbeitet. Dass es bei ihm des öfteren sehr laut wird und die Sänger manchmal Mühe haben, über das hervorragend disponierte Orchester zu kommen, ist nichts Neues. Gut die Chorherren, die ihre kurzen Passagen im 1.Akt aus der Proszeniumsloge singen, da ihre szenischen Aktionen ja von Komparsen übernommen werden.

Wolfgang Habermann     

 

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