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WIEN/ Staatsoper: TOSCA – mit gut gelandetem Sprung

06.12.2015 | Oper

WIEN/Staatsoper: TOSCA

5.12.2015 (von Helmut Christian Mayer)


Michael Volle. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Dass Sprünge von der römischen Engelsburg auch auf der Opernbühne sehr gefährlich sein können, bewies leider jener von Martina Serafin bei Giacomo Puccinis „Tosca“ im finalen Bild letzten Mittwoch. Denn dabei zog sich die österreichische Sängerin eine schwere Beinverletzung zu und fällt nun mehrere Wochen aus. Maria José Siri als kurzfristig „eingesprungene“ Titelheldin hatte da mehr Glück und überlebte den selbstmörderischen Sprung zum Finale des veristischen Edelreißers unverletzt und wurde aber nicht deshalb bejubelt. Denn die Sopranistin, die die Partie auch hier an der Wiener Staatsoper schon mehrfach gesungen hat, überzeugte mit starker emotionaler Ausdruckskraft und Nuancenreichtum, gelegentlich hörbare Schärfen waren vernachlässigbar. Auch ihre innigeren Töne faszinierten, wobei ihr die Paradearie „Vissi d’arte“ ganz vortrefflich geriet. Ihr Spiel besonders im zweiten Akt bis zur Mordszene war auch sehr mitreißend.

Roberto Alagna, eben erst zum österreichischen Kammersänger ernannt, ließ nicht nur die „Sterne blitzen“ und faszinierte nicht nur in der gleichnamigen Arie „E lucevan le stelle“ an der kein Tenor vorbeikommt: Strahlend, kraftvoll, mit wunderbaren Phrasierungen und um keinen, nur manchmal etwas gestemmten Spitzenton verlegen, wie etwa bei „Vittoria, vittoria“, begeisterte der Startenor als Maler Cavaradossi mit seinem ausgesprochen schönen Timbre den gesamten Abend hindurch das Publikum. Aber auch in den Pianissimi, etwa bei „Dolci mani“ im letzten Akt konnte er mit großer Innigkeit punkten.

Als Scarpia erlebte man den Wiener Rollendebütanten Michael Volle. Leider gelang es ihm besonders im „Te Deum“ nicht, immer hörbar zu bleiben. Sein skrupelloser, römischer Polizeichef könnte noch böser und zynischer gesungen und dargestellt werden.

Die kleineren Partien waren eigentlich gut besetzt: So gefielen etwa Ryan Speedo Green als agiler Cesare Angelotti und Benedikt Kobel als Spoletta. Für allerlei komische Akzente durfte wieder das „Urgestein“ Alfred Sramek als Mesner sorgen.

Nur routiniert leitete Dan Ettinger das Orchester der Wiener Staatsoper. Leider kam es durch die sehr breiten, teils sogar verschleppten Tempi des Dirigenten immer wieder zu Unstimmigkeiten mit der Bühne. Was aber ganz besonders fehlte, war der nötige Zupack für spannenderes und gefühlstärkeres Musizieren.

Kurzer, heftiger Jubel für die Sänger!

Helmut Christian Mayer

 

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