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WIEN/ Staatsoper: TANNHÄUSER – wieder mit R.D. Smith

31.10.2014 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: 30. 10. 2014 :  „TANNHÄUSER“

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Robert Dean Smith. Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

 Ein Abend der tiefen Stimmen. Allen voran war Christian Gerhaher ein Wolfram von Eschenbach vom Feinsten. Selten, oder besser gesagt noch nie habe ich einen Künstler erleb,t der diese Rolle so als „Liedsänger der Oper“ (Wolfram ist ja Sänger, nämlich Minnesänger), übermittelte und diese Auffassung absolut durchhielt. Das Lied an den Abendstern ließ einem das Atmen vergessen. Das geht aber nur mit so einem Begleiter dieses Abends. Was er zu spielen hatte, kam gut rüber, verständlich kann das Ganze von der Regie her nicht sein.  Kwangchul Youn war Hermann mit wunderschönen samtigen Bass, der leider in den Höhen leichte Abnützungserscheinungen aufweist.  Sorin Coliban wandelte sich vom Hermann zum Biterolf und machte seine Sache sehr gut. Robert Dean Smith kämpfte sich tapfer mit unüberhörbarer Erkältung durch die Titelrolle, sparte dennoch richtig,  sang eine sehr gute Romerzählung und konnte ein schönes Piano für „heilige Elisabeth, bitte für mich“ bringen. Norbert Ernst ist für den Walther von der Vogelweide stimmlich nicht ganz ideal. Der ausgezeichnete Sänger bringt natürlich jede Phrase richtig und alles ist perfekt, aber die Stimme des Walther sollte doch ein wenig lyrischer sein. James Kryshak als Heinrich der Schreiber und Dan Paul Dumitrescu als Reinmar von Zweter waren Luxusbesetzungen. „Wer hat, der hat“, kann man da sagen! Früher war in diesen Rollen immer das Ausgedinge unterwegs.

Bei den Damen war allerdings Annika Gerhards als gar nicht fröhlicher junger Hirt sicher die beste Damenstimme des Abends.

Irene Theorin sang mit einem Tremolo der besonderen Art die Venus, das muss ja Tannhäuser aus dem Berg treiben. Die Elisabeth als andere Seite der Medaille war Camilla Nylund, aber so anpassen hätte sie sich auch wieder nicht müssen. Die Pianophrasen, wenn sie gelingen, sind sie sehr schön, aber alles was ins Forte geht wird schrill und verwackelt.  

Der Star war das Orchester mit Peter Schneider am Pult. Er kam durch den Abgang des  GMD zu diesen Abend. Schneider musizierte und zelebrierte das Werk der Romantik auf großartige Art und Weise, Die Romantik  fand aber nur im Orchester und teilweise bei den Stimmen der Sänger statt. Nach so einem herrlich interpretiertem Vorspiel fallen einem nämlich dann die Augen raus, bei dem Anblick, was man da zu sehen bekommt: Alles, nur das nicht wofür die Musik und auch diese Geschichte steht.

Natürlich der Chor der Wiener Staatsoper und der „Slowakische Philharmonischer Chor“ trugen unter ihren Leitern Thomas Lang und Jozef Chabron sehr zum Erfolg bei. Auch sie wurden von der Regie nicht gut bedacht, eigentlich niemand. Die Solisten stehen rum, Rampensingen in hässlicher Verkleidung. Regie ist nicht auszumachen, Fragen bleiben immer ungelöst, was wollte Herr Claus Guth sagen? Was im Libretto steht fand nicht statt, eine Art Rosenwunder und Krankenpflege der historischen Elisabeth ja, aber dann hätte er ja auch den ungarischen Minnesänger Klingsor, der zum Sängerkrieg auf die Wartburg kam, einbauen können.

Elena Habermann

 

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