Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: TANNHÄUSER – auf Bayreuth – Kurs

27.10.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

26.10. 2014: „TANNHÄUSER“ – auf Bayreuth-Kurs

 Nehmt alles nur in allem: Die „Tannhäuser“-Vorstellung vom österreichischen Nationalfeiertag 2014 hatte Festival-Niveau. Dabei waren die wichtigsten „Hauptakteure“ Richard-Wagner-Vorstellung ursprünglich gar nicht vorgesehen. Peter Schneider kam erst  infolge der Welser-Möst-Rochaden zum Zug. Und bewies prompt, was im Haus am Ring heute besonders fehlt – ein Sachwalter der Musik und der Sänger. Dafür standen früher Musiker wie Horst Stein, Berislav Klobucar oder Rudolf Moralt Pate. Und heute? Vielleicht fallen Ihnen mehrere Namen ein ? Vermutlich nicht!

Zweiter „Retter in der Not“ war  Stephen Gould: Er ersetzte kurzfristig Robert Dean Smith, der am 22.10.  einen schwachen Abend hatte. Um es gleich vorwegzunehmen:. Der US-Heldentenor Stephen Gould hatte einen seiner großen Tannhäuser-Abende und wurde  zu Recht mit Ovationen überschüttet. Er lieferte eine Interpretation, die in die Operngeschichte eingehen wird. Noch nie habe ich so viel Stimmeinsatz mit solcher Leichtigkeit bereits im 1. Akt gehört. Im 2. Akt geht’s ähnlich weiter und in der Romerzählung findet Gould nicht nur zu packenden dramatischen, sondern auch zu lyrischen Nuancen, wie man sie auch  bei ihm nicht immer erlebt. Dritter im Bunde war der fabelhafte Wolfram des Christian Gehaher. Der  deutsche Lied-Spezialist war auch in den dramatischen Teilen seiner Rolle (Finale 1.Akt, Sängerkrieg und Ende der Romerzählung) unvergleichlich. Das Piano sitzt, das Forte hält mit dem „Schwergewicht“ Gould mit, der Vortrag ist fesselnd.

Ausgezeichnet auch der Landgraf von Kwangchul Youn. Der Koreaner ist ein echter Bass, sein Deutsch exzellent. Bitte Sonderapplaus! Ausgezeichnet auch Norbert Ernst als Walther und Sorin Coliban als Biterolf. Gut ergänzend: James Kryshak /(Heinrich der Schreiber) und Dan Paul Dumitrescu (Reinmar).

Leider ist die Damen-Riege  deutlich schwächer. Immerhin liefert Camilla Nylund eine etwas zu kühle Elisabeth. Im Forte neigt die Stimme zu  einer gewissen Schärfe, das Piano ist passabel, am besten gelingt noch die „Hallenarie“. Am Ende herzlicher Applaus. Ein Ärgernis ist hingegen die Venus von Irene Theorin – die Stimme der schwedischen Hochdramatischen  „flackert“, das Timbre ist nasal und die Höhen sind Glücksache. Überaus positiv fiel dagegen der Hirte von Annika Gerhards auf.

Dazu kommt die fragwürdige Inszenierung von Claus Guth (Bühne Christian Schmidt) – er siedelt den Tannhäuser zunächst im Bordell und dann im Irrenhaus an. Venus ist also eine in die Jahre gekommene Bordell-Chefin.

Bleibt die Bilanz: Peter Schneider holte ein Maximum aus der Partitur der Chor-Oper heraus. Das Orchester der Wiener Staatsoper und ebenso der Chor (Thomas Lang) haben einen so  klugen und efahrenen „Kapellmeister“ nicht nur dann verdient, wenn Absagen zu „reparieren“ sind. Die meisten Solisten gaben einfach ihr Bestes. Und der Gesamt-Sieger hieß einmal mehr Richard Wagner.

Peter Dusek

 

Diese Seite drucken