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WIEN / Staatsoper – Studio Walfischgasse: UNDINE

17.10.2015 | KRITIKEN, Oper

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Alle Fotos: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

WIEN / Staatsoper – Studio Walfischgasse:
UNDINE
Bearbeitung nach Gustav Albert Lortzing
Wiederaufnahme: 17. Oktober 2015

Das war der große Tag – fast punktgenau ein halbes Jahr nach der Premiere der „Undine“-Bearbeitung im damaligen Kinderzelt auf dem Dach der Staatsoper (18. April), hat man damit nun die „neue Kinderoper“ der Staatsoper im Theater in der Walfischgasse eingeweiht. Dieses wird dem Haus auch unter dem Namen „Studio Walfischgasse“ zur Verfügung stehen und zweifellos schnell für viele Veranstaltungen guten Dienste leisten.

Nun ist man also in einem „echten“ Theater – die Vorzüge sind evident, nicht nur (das betrifft vielleicht nur uns Ältere) die Erleichterung, dass man nicht mehr auf einer niedrigen Holzbank ohne Rückenlehne sitzen muss, was auch bei „nur“ einer Stunde Spielzeit anstrengend werden kann. Die Möglichkeiten für eine Inszenierung sind entschieden erweitert, ob Auftritte, Bewegen im Zusschauaerraum oder auch in den Video-Spielchen, die heutzutage einfach „dazugehören“, wie man uns versichert, und die hier technisch einwandfrei eingesetzt werden können.

Erfahrung muss das Orchester sammeln, am Ende der „Tribüne“ hinter den Zuschauern postiert, nicht vor der Bühne, sondern gegenüber auf der anderen Seite des Saales. Man hat sich dafür mehr für die Sänger erwartet – tatsächlich braucht man die Erfahrung, die nur die Praxis bringt, um die Lautstärke zu regeln. Bei der Premiere war sie einfach überbordend, man sollte sich schätzungsweise auf 70 Prozent dessen zurückfahren, was da unter der Leitung von Witolf Werner den Raum überflutete.

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Ileana Tonca / Joseph Dennis

Mit Ausnahme von zwei Rollen waren die Hauptpersonen im Vergleich zur Premiere anders besetzt, Ileana Tonca ist nun die Undine, Joseph Dennis der neue (ursprünglich gar nicht in den Alternativbesetzungen vorgesehene) Hugo mit angenehmem Tenor. Gabriel Bermúdez mag den Wasserfürsten Kühleborn zwar nicht lupenrein gesungen haben, aber er lieferte ein eindrucksvolles Porträt einer Figur, die fremd und faszinierend zugleich war. Gelegentlich fast schmerzhaft bohrte sich Benedikt Kobel als Diener Veit ist Ohr (auch die Sänger müssen den Raum erst kennen lernen), aber er nützte gemeinsam mit dem schönstimmigen Il Hong seine komischen Möglichkeiten. So wie diesen kannte man auch Lydia Rathkolb als Bertalda von der Premiere.

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Gabriel Bermúdez

Die erneute Frage, wie geeignet eine Readers’ Digest-Fassung einer schönen, großen romantischen Oper für kleine Kinder ist, stellt sich offenbar doch nur dem Kritiker, sonst hätten die Kleinen (allerdings herrschte während der Vorstellung viel Unruhe im Zuschauerraum) nicht so heftig gepascht.

Wie soll man resümieren? Sicherlich Dank an Ioan Holender, der „Kinderoper“ in Wien zu einer Institution der Art machte, dass die Staatsoper nicht mehr darauf verzichten kann und will. Durchaus aber auch Dank an Dominique Meyer, dass er die Institution aus der „Pawlatschen“ herausgeholt und ihr ein „echtes“ Haus gegeben hat.

Renate Wagner

 

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