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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: SCHWANENSEE

23.09.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

22.9. 2014: „SCHWANENSEE“Ballettklassiker, halbtrocken

Ein ordentlicher Einstand des Wiener Staatsballetts zum Saisonauftakt. Schön anzusehen, gut studiert, doch noch nicht so richtig von den Solisten wie vom Ensemble in Hochform getanzt. Manuel Legris´ Neueinstudierung im heurigen Frühjahr von Peter I. Tschaikowskis Ballettklassiker frei nach Rudolf Nurejews Erfolgsproduktion aus dem Jahr 1964 ist mehr auf tänzerischen Drill denn als auf eine poetische Erzählung ausgerichtet. Der 215. Aufführung von „Schwanensee“ seit den 60er Jahren in der Staatsoper: Robust, halbtrocken der Beginn, wenige Steigerungen im Laufe des langen Abends.

Dirigent Koen Kessels, erstmals für „Schwanensee“ nach Wien geholt, wird in der weiteren Aufführungsserie dem Orchester sicher einiges mehr an Seele einimpfen und an Poesie entlocken können. Um eine solche bemüht sich Vladimir Shishov als stattlicher Prinz Siegfried, doch er wirkt dabei in seinen Ausdrucksmöglichkeiten stark überfordert. Als eine zarte, feine Schwanenkönigin sucht Olga Esina nach tradierter Pathetik und es gelingen ihre einige elegantere Pointen. Dem herumschwirrenden Zauberer Rotbart (Eno Peci) ist keine dankbare Charakterisierung gegeben. Als sicher anzunehmen ist, dass all die großen und kleineren Schwänchen ihr trauriges Schicksal nun in mit weit mehr Inspiration getanzten Aufführungen ertragen werden.

Schönste Werbung für die Tänzer des Wiener Staatsoper bietet die aktuelle Fotoausstellung „Magie des Augenblicks“ im Gobelinsaal. Gabriele Schacherl, Mitarbeiterin im Team um Ballettchef Legris, hat sich liebevoll der so überaus unter Leistungsdruck stehenden internationalen Tänzerschar angenommen, um deren flüchtige Kunst in ausdrucksstarken Fotografien zu dokumentieren. Schacherl holt die unterschiedlichen Tänzerindividuen aus der Dunkelheit der Bühne, fokussiert die Emotionen in den Gesichtern der Solisten, forscht nach neuen Perspektiven, strukturiert die Gruppenszenen, in denen jegliche Individualität aufgehoben ist, klar und mit empfindsamem Verständnis. Und wird ein solches auch dem Opernpublikum vermitteln.                                      

Meinhard Rüdenauer

 

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