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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: LA FILLE MAL GARDÉE . zwei Rollendebüts

21.01.2016 | Ballett/Tanz

Wien, Staatsballett in der Staatsoper: Hérold, La fille mal gardée – zwei Rollendebuts

20. Jänner 2016
72. Aufführung dieser Produktion

 Die letzte Vorstellung von „La fille mal gardée“ (hoffentlich nur für diese Saison) bescherte uns am Abend des 20. Januar noch zwei Rollendebuts.

 Natascha Mair tanzte ihre erste Lise und Jakob Feyferlik war ihr Colas.

Die junge Halbsolistin Natscha Mair, seit 2012 Ensemblemitglied, machte schon des öfteren auf sich aufmerksam. Kleinere Soli in diversen Balletten und auch die Clara im Nußknacker hat sie bereits im Haus am Ring getanzt. Nun galt es in die Fußstapfen der Kolleginnen zu treten, die heuer in dieser Rolle bereits reüssierten.

Natascha Mair tanzte sehr akkurat die Partie, gab sich viel Mühe mit dem Schauspiel. Leider fehlte es hier an Natürlichkeit. Die Pantomimen sind noch etwas zu übertrieben. Das wird die Zeit bringen und die Routine, hier das richtige Maß zu finden. Auch daß der Bewegungsfluß teilweise recht abgehackt wirkte, sei der Nervosität des Debuts geschuldet. Es ist zu hoffen, daß sie bei aller Quirligkeit zu einer gewissen Ruhe finden wird, die dann ihrem Tanz auch den dazugehörenden Ausdruck verleihen wird, der momentan noch fehlt. Dafür haben wir eine Lise in einem Alter gesehen, wie sie sein soll, die erste Liebe erlebend, ohne die negativen Erfahrungen, die das Leben mit sich bringt.

 Ihr zur Seite stand Jakob Feyferlik, in seiner ersten großen Rolle auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Seit 2013 ist er Mitglied des Corps de ballet, tanzte abgesehen von kleineren Soli bisher in der Gruppe und durfte nun zeigen, was in ihm steckt. Und das war beeindruckend. Der junge Tänzer verfügt über eine gute Technik, es gelingt ihm schon jetzt, die Bewegungen fließen zu lassen. Es ist eine Sache, ein Solo zu tanzen, eine ganz andere, ein guter Partner zu sein. Souverän gelangen die Hebungen und die geführten Touren. Sicherlich steckte noch eine große Portion Nervosität in dem Abend, aber der Auftakt ist vollbracht. Die tänzerische Entwicklung ist seit seinem Engagement von Monat zu Monat auch für den Zuschauer deutlich vorangeschritten. Man darf gespannt sein, wie der Weg weitergehen wird. Besonders positiv fiel die natürliche Art zu spielen auf, da war nichts aufgesetzt oder zu übertrieben.

 Mit Eno Peci als Witwe Simone und Richard Szabo als Alain standen den beiden Debutanten zwei routinierte Tänzer zur Seite, die es verstanden, ihre Rollen mit so viel Witz zu gestalten, dass wir gestern einen rundum gelungenen Abend erleben durften.

 Ein großer Dank geht an Manuel Legris, der dem Nachwuchs die Möglichkeit gibt, auf der Bühne zu beweisen, dass das in sie gesetzte Vertrauen berechtigt ist.

 Alexander Ingram war der einfühlsame Dirigent, der das Staatsopernorchester, angeführt von Rainer Küchl und Maxim Brilinsky, den Abend wie einen Sommerhauch spielen ließ. Die Musik wirkte zart wie das junge Paar.

 Ulrike Klein
MerkerOnline

 

 

 

 

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