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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: LA FILLE MAL GARDÉE“ – in allgemeines Wohlgefühl versetzt

20.01.2017 | Ballett/Tanz

19.1. 2017: Wiener Staatsoper/ Staatsballett:  „LA FILLE MAL GARDÉE“ – in allgemeines Wohlgefühl versetzt

Allgemeines Wohlgefühl vermittelt diese ländliche Idylle, in welche uns Frederick Ashtons Fassung dieses Ballett-Klassikers aus hochromantischen Jahren versetzt. 1960, in der Glanzzeit des Londoner Royal Ballet von der britischen Choreographen-Legende Ashton geschaffen, wirkt „La Fille mal gardée“, das ’schlecht gehütete Mädchen‘, nach wie vor wie ein angenehm glitzerndes Schmuckstückerl. John Lanchberys musikalisches Arrangement nach Joseph-Ferdinand Hérolds Originalpartitur aus dem Jahr 1828, freizügig mit Rossini-Rosinen und anderen Leckereien versüsst, geht locker ins Ohr. Und Osbert Lancasters Ausstattung verführt in ihrer total harmonischen Wohlgestaltetheit dazu, sich solch einem vergnügten sommerlichen Treiben beschaulich hinzugeben.

Diese 1986 aus London in die Wiener Staatsoper übernommene Choreographie (hier nun bereits die 73. Aufführung) hat nichts von ihrer Lieblichkeit verloren. Vielleicht mag der Charme am Einspielabend noch eine kleine Spur zu aufgesetzt gewirkt haben, gab sich das Ensemble zu sehr um betontes Spiel bemüht. Doch federleicht fegten Natascha Mair und Davide Dato (sein Rollendebüt) als schelmisches Jungpärchen Lise und Colas frisch und fröhlich durch den Bauernhof und über das Getreidefeld. Roman Lazik polterte als Witwe Simone auf nette Art, gleichsam wie eine Gummipuppe hat sich Masayu Kimoto als tölpelhaft um Lise werbender Alain um diese gewunden. Dirigent Simon Hewett fand zu zarter Liebesromantik, und das Publikum hat dieses beschwingte Leben auf dem Lande sichtlich genossen. 

Meinhard Rüdenauer 

 

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