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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: JOSEPHSLEGENDE – adaptiert auf postmodern

05.01.2016 | Ballett/Tanz

4.1.2016: John Neumeiers „JOSEPHS LEGENDE“, adaptiert auf postmodern

Auch Choreographie-Großmeister John Neumeier kommt nicht herum, sich nach der Mode zu richten. Schönes Beispiel: Die Wiederaufnahme seiner grandiosen Wiener Inszenierung aus dem Jahr 1977 von Richard Strauss´ „Josephs Legende“, welche als ein besonders großer Balletterfolg im Archiv der Staatsoper vermerkt ist. Die 70er, 80er Jahr, das ist Neumeiers große schöpferisch innovative Zeit gewesen. Die in der vorigen Saison nun in Wien einstudierte Neufassung, gepaart mit Neumeiers „Verklungene Feste“ – Richard Strauss als Klangkünstler  auf den Spuren von Francois Couperin, choreographiert als L´art pour l´art auf hohem Niveau  – ist als Adaption im postmodernen Stil anzusehen. Auf aus dem Mythos geschaffene und mit wuchtiger Emphase gedeutete spätromantische Schwülstigkeit der ausladenden Strauss-Partitur ist nun in klarer tänzerischer Zeichnung eine eher blutleere wirkende Partystimmung unserer Tage gefolgt. Die vielen ausdrucksstarken Momente sind geblieben, dazu kommt nun das artifizielle Bewegungsrepertoire mit all den Ingredienzien der auf heutig gestylten Tanzsprache.

Auch modisch: Vom schwarzen Uni-Look bis zum nackten Popo. Wohl sind damals auch stärker entwickelte Charaktere auf der Bühne gestanden, doch bravourös fühlen sich die Solisten in ihre so anspruchsvollen Rollen ein. Und mit großem Applaus werden Denys Cherevycko als Joseph, Rebecca Horner als Potiphars Weib, Roman Lazik (Potiphar) und Kirill Kourlaev (Der Engel) bedankt.

Meinhard Rüdenauer 

 

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