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WIEN/ Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA

26.01.2015 | Allgemein, Oper

WIEN/Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA  am 25.1.2015 (Helmut Christian Mayer)


Ferruccio Furlanetto, Alfred Kim. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

 Vom Handlungsablauf mag es vielleicht Giuseppe Verdis komplizierteste Oper sein. Das krause Libretto von Arrigo Boito um Betrug, Machtgier und zu spät erkannten Familienbanden strotzt ja auch nur so von Ungereimtheiten. Aber SIMON BOCCANEGRA ist ein musikalisch so wunderbar reifes, fast ohne Ohrwürmer auskommendes Werk des italienischen „Operngroßmeisters“, das man dies gerne in Kauf nimmt.  Außerdem hat Peter Stein dieses nach den Salzburger Festspielen 2000 hier an der Staatsoper in Szene gesetzt, und obwohl seine Inszenierung nur mehr in den Grundzügen vorhanden ist, wirkt sie immer noch logisch, schlüssig und nachvollziehbar. Er erzählt die Geschichte mit einfachsten und sparsamsten, aber sehr stimmigen Mitteln: wenige verschiebbare und praktikable Kulissen, rote Vorhänge, dunkle, düstere Lichtstimmungen, oft nur Lichtkegel, aber perfekt ausgeleuchtet, Kerzen und Fackeln (Bühne: Stefan Mayer, Kostüme: Moidele Bickel). Peter Stein vertraut ganz auf das Effektvolle der düsteren Handlung, besonders die intimen Momente, wie die Erkennungsszene von Vater und Tochter, der Tod des Dogen von Genua wirken immer noch, insbesondere wenn sie von so erfahrenen Protagonisten gestaltet werden, wie diesmal.

Überragender Star des Abends ist einmal mehr Ferruccio Furlanetto als ungemein bühnendominanter Fiesco. Mit immer noch reichen Schattierungen seines voluminösen, dunklen Basses veredelt er emotionsreich und glaubhaft seine Rache- und Schmerzgefühle. Leo Nucci ist sein Gegenspieler, der ebenfalls sehr präsente Titelheld, der nicht so sehr auf kraftvolle sondern auf weiche und auch liebevolle (Zwischen)Töne setzt. Er stößt jedoch manchmal altersbedingt an seine stimmlichen Grenzen und neigt vermehrt dazu, Töne immer wieder anzuschleifen. Aber die Gefühle eines verzweifelt liebenden Vaters und eines Herrschers wider Willen sowie Glück und Todesqualen werden so ideal zum Klingen gebracht. Eine große Überraschung ist der kraftvolle, schönstimmige Marco Caria, der die Rolle des Bösewichts und Intriganten Paolo mit großer vokaler Präsenz und darstellerischer Dämonie erfüllt. Stimmgewaltig und sicher ist Alfred Kim als Gabriele Adorno, wenn auch recht eindimensional mit seinem Einheitsforte. Barbara Frittoli als Maria/Amelia singt zwar alle Töne, auch viele seelenvolle und alle Spitzen mit phänomenaler Sicherheit, ihr Sopran nimmt jedoch an Vibrato bei lauteren Tönen zu. Mit voller vokaler Präsenz ist der Staatsopernchor zu vernehmen.

Das Orchester der Wiener Staatsoper ist wieder einmal wunderbar disponiert. Durch das versierte aber doch etwas zu routiniert wirkende Dirigat von Philippe Auguin bleiben die Musiker doch einiges an Farben schuldig, auch werden nur einige aber bei weitem nicht alle Feinheiten der Partitur ausgeleuchtet.

Viel Jubel beim Publikum!

 Helmut Christian Mayer

 

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