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WIEN / Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA

27.09.2013 | Oper

WIEN / Staatsoper: 
SIMON BOCCANEGRA von Giuseppe Verdi
67. Aufführung in dieser Inszenierung
27. September 2013

Eine sehr starke Herrenbesetzung für diese neue Serie von Verdis „Simon Boccanegra“, die nicht weniger eindrucksvoll ist, weil man sie kennt – tatsächlich sind Thomas Hampson in der Titelrolle und Ferruccio Furlanetto als Fiesco schon seit der Premiere dieser Peter-Stein-Inszenierung im Oktober 2002 hier mit dabei und haben die Rollen zwischendurch immer wieder gesungen. Erstaunlich übrigens, dass ein Werk, das nicht unbedingt zu Verdis „Reißern“ gehört, es in elf Jahren doch auf 67 Aufführungen bringen kann.

Die derzeitige war sicherlich keine von der schwachen Sorte, auch dank des Dirigenten Alain Altinoglu: Der Reichtum an Gefühlsschattierungen in Verdis Musik, wo sich schwebende Lyrik und exzessive Dramatik abwechseln mit reich differenzierten Stimmungswerten dazwischen, ist nicht ganz leicht zu realisieren. Bis auf ein paar zu laute Stellen (ein schwächerer Tenor wäre bei solcher Begleitung untergegangen), gelang das Meiste gut und richtig.

Thomas Hampson hat seinen Wien-Boykott wieder aufgehoben, worüber man froh sein kann, zumal der Simone eine seiner besten Rollen ist. Stimmlich hatte er einen glanzvollen Abend, dass man Minimales nicht beanstanden will: Der nach wie vor kraftvolle Bariton (nur selten forciert) strömt wunderschön, die Ausdrucksnuancen beeindrucken, darstellerisch ist alles da, gelegentlich sogar atemberaubend, wenn er etwa den betrügerischen Paolo umkreist – das vibriert vor Spannung. Das doch recht sentimentale Sterben wurde nicht kitschig, kurz, Hampson agierte spürbar mit vollem Einsatz und beeindruckte sehr.

Ferruccio Furlanetto ließ seinen Bass zumal im Vorspiel ganz herrlich samtig strömen und schafft es immer wieder, der Stimme später – da ist er schließlich, 20 und mehr Jahre später, ein alter Mann – einen fahlen Klang zu geben. Als hasserfüllter Konterpart steht er Hampson ganz stark gegenüber.

Joseph Calleja sang seinen ersten Gabriele Adorno in Wien, und man hätte sich gewünscht, diesen Tenor, der doch leider ein seltener Gast an der Staatsoper ist, in einer wirkungsvolleren Rolle zu erleben. Denn es ist doch wunderbar, welch herrliche Töne er ganz mühelos hören lässt, eine Stimme, die an Kraft, Timbre und Technik ganz zweifellos Spitzenklasse ist. Der Adorno hingegen ist nicht nur von der Dramaturgie, sondern auch von Verdi her eine Wurzenrolle, kein Tenor, der sich wie der Herzog neben einem baritonalen Titelhelden als Star des Abends entpuppt, sondern einer, der viel zu wenig zu vermelden hat, wenn ein Spitzensänger auf der Bühne steht und man mehr, mehr, mehr von ihm hören will…

Tamar Iveri begann ihre Amelia mit zarten, schwebenden Tönen, die Hoffnung erweckten, aber es gelang ihr einfach nicht, dies auch für die Höhen durchzuhalten (allerdings waren auch ihre unmittelbaren Rollenvorgängerinnen – Frittoli mit Domingo, Poplavskaya mit Hvrostovsky – genau damit überfordert). So stand zwar eine besonders attraktive, schlanke, dunkelhaarige, mädchenhafte, fast exotische Amelia auf der Bühne, aber stimmlich ließen die im Lauf des Abends dann immer noch schriller und dünner werdenden Höhen einige Wünsche offen.

Adam Plachetka gab als Paolo einen nachdrücklichen Intriganten, klang aber eher „kratzig“, Dan Paul Dumitrescu, Jinxu Xiahou und Juliette Mars teilten sich unauffällig die Nebenrollen, und der Chor steht und sitzt und rennt in dieser Inszenierung, die immer düsterer (Karajans schwarze Scheinwerfer hervorgeholt?), uninteressanter und unattraktiver wird, ziemlich leblos herum. Glücklicherweise singt er nicht so.

Es gab doch eine Menge Verdi’sches Opernglück an diesem Abend, der erstaunlicherweise nicht ganz voll war (vor allem der Stehplatz schien der Besetzung wenig abzugewinnen und war auf der Galerie dürftig gefüllt), und das Publikum blieb während der Aufführung applausfaul. Ja, der leicht eingängige m-ta-ta-Verdi ist der „Simone“ nicht…

Renate Wagner

 

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