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WIEN/ Staatsoper: SALOME

16.02.2013 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: „WIE SCHÖN SINGT DIE PRINZESSIN SALOME HEUTE NACHT.“ „Salome“ am 15.2.2013

 Camilla Nylund ist derzeit als Salome ein besonderer Glücksfall. Ihre Stimme bietet eine atemberaubende Ausdruckskraft und erlaubt ihr mit Leichtigkeit die vielfältigsten Stimmungen und Charakterschattierungen dieser furchtbar schweren Rolle darzustellen. Nach einer sehr guten Salome in der ersten Vorstellung gelang gestern eine sensationelle Interpretation voller Leidenschaft, ekstatischem Begehren, Obsession, Rachsucht bis zum Wahnsinn.

 Diese Ausdrucksdichte war natürlich nur im Zusammenspiel mit dem unvergleichlichen Strauss-Klang der Wiener Philharmoniker unter der genialen Leitung von Peter Schneider möglich. Jedesmal wieder wundert man sich, dass bisher noch nie gehörte Details präsentiert werden; welche wunderbare Miniaturen in dem mächtigen Klangrausch verborgen sind, die bei „Alltagsdirigenten“ niemals hörbar werden. Die „Brunnendeckel-Zumach-Musik“, der Schleiertanz und das Finale waren aufwühlende Tondichtung mit „Ganzkörper-Ganslhaut-Effekt“! Apropos Schleiertanz: Wir beide haben statt der Salome Herrn Scheider beobachtet, wie er mit sparsamen Gesten dem Orchester eine perfekte Interpretatation dieser leidenschaftlichen Musik entlockte – absolut eindrucksvoll – so muss Strauss klingen! Zugegeben, das klingt natürlich sehr nach Lobhudelei – aber was solls – so war es eben.

 In den Kreis der besonderen Leistungsträger gehörte auch Gerhard A. Siegel als stimmgewaltiger und stimmschöner Herodes, der das Spektrum vom mächtigen Herrscher bis zum geifernden, sexbesessenen Lüstling ohne Peinlichkeiten temperamentvoll auszufüllen vermochte. Michaela Schuster war eine passable, aber nicht besonders ausdrucksstarke Herodias; auch Carlos Osuna (Narraboth) und Juliette Mars (Page) blieben ziemlich farblos.

 James Rutherford wirkte präsenter als in der ersten Vorstellung und hatte seine besten Momente in den schwärmerischen Passagen, in denen er IHN verehrte und pries. Aus dem Brunnen fehlte dem Jochanaan das Stimmvolumen – seine gepflegte, warme Stimme war fast nicht hörbar; vielleicht wäre die Verwendung des „Fafner-Trichters“ auch hier sinnvoll? Janusz Monarcha als Nazarener und Alfred Sramek als Soldat sorgten an diesem Abend für den bassbaritonalen Wohlklang mit der erforderlichen Deutlichkeit. Die Juden Herwig Pecoraro, Jinxu Xiahou, Benedikt Kobel, Wolfram Igor Derntl und Walter Fink bildeten das extrovertierte Quintett, das temperamentvoll alle Klischees bediente und gesanglich eine Luxusbesetzung darstellte.

Der herausragende und bleibende Eindruck dieser Vorstellung ist aber zweifellos die perfekte Verschmelzung der traumhaft schönen Stimme von Camilla Nylund mit dem Orchester zu einem Gesamteindruck, bei dem die Grenzen zwischen Instrumenten und menschlicher Stimme aufgelöst sind.

An diesem Niveau werden sich künftige Aufführungen zu messen haben.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

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