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WIEN/ Staatsoper: SALOME

15.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper am 14. 5. 2012:  „SALOME“

Die erste Vorstellung der gegenwärtigen Serie fand in fast allen Besprechungen keine gute Nachrede. Hier die Eindrücke der zweiten Aufführung. Die Philharmoniker sind bei Richard Strauss zu Hause und spielen dessen Kompositionen, wie kaum ein anderes Orchester. Aber der Dirigent Ulf Schirmer liebt gewaltige, ungehemmte Klangmassen und große Lautstärken, richtige Klangeruptionen. Nur selten drosselt er das Orchester. Ja, selbst Sänger mit großer Stimme gehen manchmal in den Wogen unter. Auf impressionistische Farben und kompositorische Feinheiten setzt er kaum.

Lise Lindstrom war eine neue Salome und überraschte durch eine jugendfrische, helle Stimme, scheinbar ohne Grenzen. Dazu hat sie sichere Höhen, welche die gewaltigen Klänge strahlend übertönen. Sie ist dennoch ein seltsamer Fall, da Mittellage und Tiefe kaum vorhanden sind. Ob diese Rolle Raubbau an ihrer Stimme ist, wird sich in den nächsten Jahren erweisen. Sie singt auch immer mit voller Kraft und ist auf der Bühne sehr beweglich. Sie sollte unbedingt an ihrer Stimmtechnik arbeiten,  um nicht wie ein Meteorit schnell wieder verglühen.

Für den Jochanaan hat Markus Marquardt eine große, schön gerundete, weiche Stimme vorzuweisen. Sein Timbre klingt sanft, genau richtig für die Preisungen des Erlösers. Somit singt er recht wirkungsvoll. Man ist sehr angetan und kann wohl noch viel von ihm erwarten. Man wird sehen, wie er sich entwickelt. Jedenfalls ist er ein Versprechen.

Thomas Moser singt den Herodes mit schöner Stimme. Er begann ja als Mozart-Sänger, was man immer noch merkte, wenn auch das Volumen nicht mehr so groß ist. Er war ja nie ein Charaktertenor. Bei Gwyneth Jones als Herodias wird weniger die Gegenwart, als die Erinnerung an eine glorreiche, exzeptionelle Vergangenheit bejubelt.

Ein passender Narraboth war Marian Talaba. Alisa Kolosova/Page tat sich mit den Klangwogen gar nicht leicht. In Ordnung die 5 Juden mit Oliver Ringelhahn, Peter Jelosits, Michael Roider, Wolfram Igor Derntl, Walter Fink. Auch die Nazarener mit Alexandru Moisiuc und Hans Peter Kammerer passten dazu, ebenso die beiden Soldaten Il Hong und Dan Paul Dumitrescu. Außerdem wirkten noch mit Johannes Gisser/Cappadozier und Richard Winkler/Sklave.

Eine Erfahrung sagt, dass große Lautstärken eindrucksvoll sein können, besonders Sänger, die ein großes Orchester übersingen können. Je lauter ein Sänger singen kann, desto mehr gefällt er vielen Zuhörern.. So erhielt nicht nur die Vorstellung, aber noch viel mehr Lisa Lindstrom ganz große Zustimmung und Jubel. Kraftvolle Wogen und hemdsärmlig zupackendes Dirigieren überzeugte so mehr als differenziertes Musizieren.

Martin Robert BOTZ

 

 

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