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WIEN/ Staatsoper: SALOME

25.09.2016 | Oper

WIEN / Staatsoper:  SALOME am 24.09.2016

Erika Sunneghard beim Schleiertanz. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Nach der misslungenen ersten Salome waren die Erwartungen gedämpft; die verbliebene Hoffnung auf „learning by doing“ wurde aber zumindest teilweise erfüllt. Aus dem Orchestergraben kamen Klänge, die an Strauss erinnerten – und das in erträglicher Lautstärke für die Sänger und für das Publikum. Offensichtlich hat sich das Staatsopernorchester seiner Strauss-Kompetenz besonnen und folgte nicht uneingeschränkt den fordernden Gesten von Alain Altinoglu, den wir schon mehrmals als hervorragenden Dirigenten von französischen und italienischen Opern erlebt haben. Das Deutsche Fach scheint ihm – wie schon eine Salome-Serie vor zwei Jahren zeigte – nicht zu liegen.

Auch Matthias Goerne zeigte sich gegenüber seinem Rollendebut als Jochanaan deutlich verbessert. Mächtig und wortdeutlich tönte er aus der Zisterne und auch auf der Bühne zeigte er eine ausdrucksvollere Interpretation des religiösen Fanatikers, der nur bei der Beschreibung seines göttlichen Idols etwas Milde vermittelte. Wem das kehlige, gedeckte Timbre dieser technisch gut geführten Stimme gefällt, hat einen sehr guten Jochanaan erlebt.

Die Stärken von Erika Sunnegardh lagen im leidenschaftlichen Spiel und in einem ausdrucksstarken Schleiertanz, der den geilen Herodes an den Rand des Wahnsinns trieb.

Zur gesanglichen Darbietung fällt uns der Holender-Kalauer ein: Frage: „Was fehlt mir, um diese Rolle in der Wiener Staatsoper zu singen?“ 

Antwort: „Alles!“

Die tiefen Lagen waren nicht vorhanden und wurden durch Sprechgesang ersetzt; die Mittellage klang manchmal recht schön, dann wieder unstet und unsensibel, die Höhen wurden unter Druck schneidend scharf und vom Text verstand man kaum ein Wort.

Das war keine – und wir fürchten – das wird auch keine gute Salome.

Das Königspaar gehörte – wie erwartet – zu den erfreulichen Eindrücken dieser Aufführung. Gerhard A. Siegel verkörpert den größenwahnsinnigen, absolutistischen Herrscher mit bombensicherem, metallisch klarem Charaktertenor und exzessiver Darstellung – eine Interpretation, die als Gesamtkunstwerk Auge und Ohr erfreut. Jane Henschel war ihm eine kongeniale Partnerin, die mit hysterischem Gehabe den Gatten gehörig aufstachelte und mit schrillem Ausdruck absolut rollengerecht wirkte.

Die Besetzung der kleineren Rollen erwies sich wieder einmal als Kompliment an das Ensemble der Wiener Staatsoper. Diese Künstler ermöglichen – wenn in den Hauptrollen hervorragende Sänger aufgeboten werden – dass wir immer wieder Sternstunden erleben können.

Norbert Ernst sang den Narraboth mit schönem, präsentem Ausdruck und machte deutlich, dass er der Hauptmann der Palastwache ist. Der fürsorgliche Page wurde von Ulrike Helzel mit klarem Mezzo und guten Höhen gesungen.

Die fünf Juden (Thomas Ebenstein, Peter Jelosits, Carlos Osuna, Benedikt Kobel und Dan Paul Dumitrescu) stritten temperamentvoll und die Soldaten (Wolfgang Bankl und Sorin Coliban) stellten – mit wunderschönen, wortdeutlichen Bässen – eine Luxusbesetzung dar.

Alexandru Moisiuc und Mihail Dogotari – die Nazarener – fielen diesmal durch ausnehmend schönen gesanglichen Ausdruck auf. Hiro Ijichi (Cappadocier) und Daniel Lökös ergänzten die erfreuliche Besetzung der Nebenrollen.

Wir hoffen, dass die Besetzungsverantwortlichen aus den beiden Salome-Vorstellungen die richtigen Konsequenzen ziehen – wir würden gerne wieder einmal statt einer durchschnittlichen Repertoirevorstellung eine Sternstunde erleben.

Maria und Johann Jahnas

 

 

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