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WIEN/ Staatsoper: RIGOLETTO . Saisonstart mit 8 Sternen

05.09.2015 | Oper

WIENER STAATSOPER 4. 9.2015:  „RIGOLETTO“- Saisonstart mit 8 Sternen


Ambrogio Maestri, Michele Pertusi. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

 Wenn bei 13 im Programmheft angeführten Solisten, bei 8 Namen ein Sternchen ein Rollendebut anzeigt, so kann man wohl von einer kompletten musikalischen Erneuerung sprechen. Von den großen Partien war nur die Maddalena mit der Premierenbesetzung identisch.

Wer erwartet hatte, dass Ambrogio Maestri mit seiner Riesenstimme einen Rigoletto in höchster Lautstärke produzieren würde, wurde angenehm enttäuscht. Seine stimmliche Gestaltung wächst aus einer sorgfältigen Konzentration auf den Text und er verblüfft oft, wie sehr er seine Stimme zurücknehmen kann, auch wenn er da zweimal leichte Probleme hatte. Natürlich präsentiert er sich nicht mit nacktem Oberkörper und verweigert sich auch jeder Form von Akrobatik. Sein Rigoletto ist der klassische besorgte Vater und nicht das böse Tier, das möglicherweise die ursprüngliche Intention des Regisseurs war. Seine Tochter ist Aleksandra Kurzak. Nach einer tadellos gesungenen Arie (von der ich gerne zugebe, dass sie nicht zu meinen Lieblingsstücken zählt) konnte sie vor allem mit einem wunderbar gesungenen Tutte le feste und einem großartigen Diminuendo im Schlussduett überzeugen.

Celso Albelo als dritter Herzog von Mantua (in dieser Inszenierung) hat die ideale Stimme für diese Partie. Auf der einen Seite kann er die Wurzeln Verdis im italienischen Belcanto in den Verzierungen der gro0en Arie im dritten Bild mit leichter Stimme und perfekten Piani gestalten, hat aber auch metallisch klingende Höhen zur Verfügung. Neben Elena Maximova als Maddalena, deren optische Wirkung immer noch den musikalischen Eindruck übertrifft, ist nun Michele Pertusi mit sonorem Bass ihr mörderischer Bruder. (Dem Kostüm nach ein Student, der sich mit der Nebenbeschäftigung sein Studium verdient.)

In der von der Regie aufgewerteten Partie des Ceprano ist Clemens Unterreiner (was man selten sagen kann) darstellerisch dezenter als die Premierenbesetzung, fällt aber stimmlich stärker auf. Seine Gattin ist Lydia Rathkolb, die ihre kurze Szene tadellos bewältigt. Beim Monterone des Alexandru Moisiuc steht dem körperliche Volumen kein ähnliches Stimmvolumen gegenüber. Bei den Höflingen waren Marullo und Borsa mit Manuel Walser und Carlos Osuna die unauffälligen Rollendebutanten. Ihren ersten Auftritt an der Staatsoper absolvierte Andrea Carroll als Page und immerhin war sie (an)hörbar, was man nicht von allen Vorgängerinnen sagen kann. Warum der Page schon die ganze Zeit während des Chores auf der Bühne ist, zählt zu den Regiegeheimnissen. Der von Martin Schebesta geleitete und vom Regisseur vernachlässigte Chor entledigte sich seiner Aufgabe souverän.

Evelino Pido am Pult sorgte für den Ausgleich zwischen den lyrischen Stellen und ließ bei den dramatischen Ausbrüchen immer Rücksicht auf die Sänger walten.

Wolfgang Habermann

 

Wolfgang Habermann

 

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