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WIEN/ Staatsoper: RIGOLETTO. Alles neu macht der Juni

18.06.2015 | Oper

Wiener Staatsoper – 17. 6.2015  „RIGOLETTO“ Alles neu macht der Juni


Saimir Pirgu. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Die zweite Serie dieser Inszenierung brachte in allen Hauptpartien neue Besetzungen, die auch (außer beim Sparafucile) Rollendebuts am Haus entsprachen. Nachdem von dem, auf den Premierensänger zugeschnittenen Rollenportrait des Titelhelden als italienischer Wozzeck ja nur eine halbe Aufführung zu sehen war, haben sich alle Nachfolger mit einer traditionellen Darstellung eines leidgeprüften alleinerziehenden Vaters mit unregelmäßigen Arbeitszeiten eingeschworen. Durch die Zwangspause von Simon Keenlyside wurde als Ersatz zunächst Dmitri Hvorostovski angekündigt, der aber ebenfalls absagte, so dass schließlich Giovanni Meoni zu seinem Wiener Rollendebut kam. Es wäre mehr als ungerecht, aus dieser Historie den Schluss zu ziehen, dass dieser Sänger nur dritte Wahl wäre, im Gegenteil: Er ist ein Bariton der guten alten italienischen Tradition mit einer gut sitzenden, nicht zu voluminösen Stimme, der auch die breiten Legatobögen bestens zur Geltung bringt. Warum alle neueren Rigolettosänger auf den Effekt, das No vecchio t’iganni mit einer Fermate direkt in das folgende Si, vendetta zu ziehen, verzichten, liegt wohl eher an allzu puristischen Dirigenten.

Seine Tochter, die er in einem Vogelkäfig hält, war Ekatarina Siurina. Eine Stimme, deren gläsernes Timbre mir persönlich nicht sehr behagt, die Arie war aber bis auf leichte Intonationstrübungen sehr ordentlich gesungen. In den Duetten ist sie nicht unbedingt eine Meisterin an Anpassungsfähigkeit, so wurde die Kadenz im Duett mit dem Herzog eher ein Gegeneinander als ein Miteinander. Als Herzog war erstmals in Wien der Albaner Saimir Pirgu zu hören, der sich von Bild zu Bild steigerte und die Leistung mit einem wunderbar mit Schmelz gesungenem Quartett und strahlenden Spitzentönen beim La donna e mobile krönte. Das mörderische Pärchen war ebenfalls neu und Margerita Gritskova bot die benötigte profunde Tiefe samt der erotischen Ausstrahlung, während Ain Anger, der die Partie bereits in der vorigen Inszenierung sang, sehr grobschlächtigen Gesang bot. Neu war auch Carole Wilson als Giovanna. Sorin Coliban ließ wieder mit mächtigem Bass den die Tragödie auslösenden Fluch vernehmen und Marcus Pelz genoss die szenische Aufwertung der Partie des Ceprano, Mihail Dogotari, James Kryshak, Simina Ivan und Bryony Dwyer vervollständigten den Hofstaat.

Der von Martin Schebesta geleitete und vom Regisseur vernachlässigte Chor sang sehr präzise.

Am Pult stand Evelino Pido, der damit ein Werk dirigierte, dass für sein Belcanto-Repertoire schon fast „neue Musik“ ist. Die Effekte auskostend, in der Lautstärke meist auf die Sänger Rücksicht nehmend, war es ein zufriedenstellender Abend.

 Wolfgang Habermann

 

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