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WIEN/ Staatsoper: RIGOLETTO

12.04.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: RIGOLETTO am 11.4.2013

Selbst bei Sandro Sequis fast 30 Jahre alter Produktion, durch und durch klassisch-unexperimentell auf Werktreue bedacht wie das Bühnenbild von Pantelis Desyllas, ist man nicht vor Überraschungen gefeit. Einer der bedeutenden Baritone der Gegenwart, Simon Keenlyside, sang den Rigoletto. Eigentlich sollte das eine passende Besetzung sein, leider wirkte er im Spiel seltsam temperamentarm und statisch, sodass manche Gefühlsregung unglaubwürdig wirkte. Auch stimmlich musste man sehr lange warten, ehe seine Klasse aufblitzte, erst in der Schlussszene, gekrönt von einem makellosen „Maledizione“, konnte man mit seiner Leistung zufrieden sein.

In der Rolle des Herzogs erwartet man einen Draufgänger der Sonderklasse, Matthew Polenzani legt das aber ganz anders an. Mit samtweichen Lyrismen verführt er Gilda, auch „La donna e mobile“ klingt bei ihm sehr viel zarter als gewohnt. Polenzanis wunderbar leichter Tenor verströmt Wohlklang und ist auch in der Höhe voll „da“. Die unglückliche Gilda wurde von Olga Peretyatko verkörpert, vom ersten Ton an war klar, dass es hier deutlich an Kraft und Volumen mangelt. Ihre Stimme bietet etwas zu viel Vibrato, die hohen Passagen gelangen ihr aber recht gut, die Gewitterszene lag dann aber doch außerhalb ihrer stimmlichen Möglichkeiten.

In den kleineren Rollen reüssierten verlässliche Kräfte des Hauses, Kurt Rydl als Sparafucile war kraftvoll wie seit Jahrzehnten am Werk, Elena Maximova sang die Maddalena zufriedenstellend und Soran Coliban verströmte als Monterone Lautstärke mit wenig Schöngesang.

Die letzte Überraschung bot das Dirigat von Jesus Lopez-Cobos, auch viel Routine konnte lähmende Tempi in den Duetten Rigoletto – Gilda nicht verhindern, sehr viel Wirkung ging da verloren. Das Orchester schlug sich mit Anstand, wenn auch hier die Qualität anderer Aufführungen deutlich unterboten wurde. Eine Repertoirevorstellung ohne Glanz und Gloria, die dem Publikum extrem wenig Applaus entlockte.

Johannes Marksteiner

 

 

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