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WIEN Staatsoper : Richard Wagner PARSIFAL

28.03.2016 | KRITIKEN, Oper
Michael VOILLE und Falk STRUCKMANN als Amfortas und Gurnemanz

Michael VOILLE und Falk STRUCKMANN als Amfortas und Gurnemanz

Wiener Staatsoper
Richard Wagner PARSIFAL
27.März 2016
47.Aufführung in dieser Inszenierung

 

Wie dünkt mich doch die Aue heut so fahl…

 Wohl lauscht man gern den Stimmen des Gerüchts, die der nächsten Staatsopernsaison eine Neuinszenierung der Wagnerschen Erlösungsreligion versprechen, zumindestens der gestern Abend ebenfalls im Haus anwesende Direktor weiß ja bereits Bescheid, ob er zu so einer erlösenden Tat bereit ist, uns von der etwas verunglückten Regiearbeit der Christine Mielitz zu erlösen. In wenigen Tagen wissen wir mehr, wenn die Spielplanbekanntgabe gelaufen ist.

 Die wenigen guten Momente waren auf den damaligen Gestalter des Amfortas zugeschnitten, Thomas Quasthof konnte allein schon figürlich durch seine Erscheinung beklemmende Gefühle beim Betrachter hervorrufen und machte das letzte Bild im dritten Aufzug zu einem emphatischen Erlebnis mit empathischer Wirkung. Ansonsten ist der Leidensweg ganz beim Zuschauer geblieben, eine treffende Beschreibung dazu hat der MerkerOnline in seiner Premierenkritik von Dominik Troger vom 8.4.2004 gebracht und es lohnt sich, diesen Bericht zu lesen:http://www.operinwien.at/werkverz/wagner/aparsif4.htm .
Geradezu von desaströser Wirkung ist etwa der Karfreitagszauber optisch zu einem Trauerspiel geworden.

Auch diesmal ragte der Gestalter des Amfortas aus dem Ensemble: Michael Volle sang mit bewunderswerter Kraft, mit hinreißendem Ausdruck und heldenbaritonalem Aplomb seine Anklagen, sein Flehen um Erbarmen und wenn man hört, dass er zwischen diesen ersten beiden Serienvorstellungen mit einem Hans Sachs ein anderes Opernhaus aus der Patsche geholfen hat, dann müßte man allein schon diese Tatsache vorbehaltlos bewundern.

Parsifal Stephen Gould als Sportschütze im Bademantel

Parsifal Stephen Gould als Sportschütze im Bademantel

Wieder dabei nach kurzer Auszeit Stephen Gould, dem man zwar figürlich nicht den kühnen Knaben abnimmt, der mit Anzug und Schwert albern genug ausstaffiert im zweiten Aufzug aufzutreten hat, der aber einen ganz wunderbar phrasierenden, hell-und trotzdem warmstimmigen und wortdeutlichen Parsifal mit bewunderswerter heldentenoraler Kraft aber auch glänzenden Piani auf die Bühne bringt. Die Auszeit war also klug gewählt.

Ebenso Unerschöpfliches ist von Violetta Urmanas gesanglicher Bewältigung der Kundry zu berichten, die Akuti der Partie waren für sie problemlos, vor allem jene in den dramatischen Erzählungen im zweiten Aufzug mit einem beklemmenden “Ich sah-ihn-ihn und- lachte…”, auch hatte sie genug verführerische Töne für den Toren zur Verfügung ohne allerdings ihre darstellerischen Verführungskünste allzusehr ins Erotische abgleiten zu lassen.

Dass man den obersten Tugendwächter der Gralsgemeinschaft auch als sanften Vater mit balsamischen Stimmmitteln darstellen kann, haben viele Vorgänger bewiesen, da waren bei uns etwa Greindl, Frick, ja auch ein Siepi darunter. Falk Struckmann ist mit zupackender Stimme mehr ein überzeugt-und überzeugend strenger Hüter der Regeln des Ordens mit kantigem Charakterbariton. Dass man mit einer solchen Stimme auch einen überzeugenderen Klingsor geboten hätte, als es der viel zu sanft wirkende Boaz Daniel tat, das wäre zu erwarten gewesen. Er war dem Heiligen Speer eher ein smarter Antiquitätensammler als ein besessener Wahrer. Und mit Ryan Speedo Green als Titurel war das Hinsterbende der Gemeinschaft mit dazu passendem fahlem Timbre vertreten.

Das Ensemble des Hauses konnte gerade in diesem Stück seinen Einsatz überzeugend darstellen, stellvertretend für die einzelnen Gruppen seien genannt Ulrike Hetzel als erster Knappe, Michael Roider als erster Gralsritter, sowie Ileana Tonca, Anika Gerhards und Zoryana Kushpler als Blumenmädchen.

Adam Fischer ist zu einem Lordsiegelbewahrer von karfreitagswirksamer Umsetzung musikalischer Wunder geworden. Und wenn im ersten Aufzug dem ruhig-fließenden Erzählduktus der Musik noch folgend, auch sein Dirigat entsprechend ruhig wirkt, spätestens im letzten Aufzug läßt er den finalen Steigerungen, zu welchen ihm die Chöre und das Orchester willig folgen, in aller Schöheit freien Lauf.

Großer Applaus für alle Mitwirkenden am Schluß der Vorstellung. Bezüglich des Beifalls nach dem ersten Aufzug sollte man die berühmte Bayreuther Applausordnung, die angeblich von Wagner selbst stammt, aushängen, um jene Klarheit wieder herzustellen, welche aussagt, dass die erste Pause ohne Beifall auskommen sollte.

 

Peter Skorepa
MerkerOnline
Fotos.: Michael Pöhn/Wr.Staatsoper

 

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