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WIEN / Staatsoper: Richard Strauss SALOME

03.06.2015 | KRITIKEN, Oper
Gun-Brit Barkmin als Kindfrau

Gun-Brit Barkmin als Kindfrau

Wiener Staatsoper
“SALOME” 
217.Aufführung in der Inszenierung von Boleslaw Barlog
2.Juni 2015
399. Staatsopernabend von Peter Schneider

 

 Unauffällige Qualität

 

Mir fiel spontan keine bessere Bezeichnung für das Wirken PETER SCHNEIDERS ein, aber das Unauffällige, das so Unaufdringliche und Stimmige und so auffallend Ruhige und Richtige seiner Arbeit an der Wiener Staatsoper, das wiederholte sich am heutigen Abend. Aber das wird sicherlich auch in seiner nächsten Salome so sein, da allerdings schon zum 400.Mal als Dirigent im Haus am Ring!

Gratulation schon jetzt und nein, nicht nur Ruhe ausstrahlend sondern auch mit kräftigen Farben aus dem Vollen schöpfend aus einer quasi Vollversammlung des zu den besten Opernorchestern der Welt zählenden Orchesters der Wiener Staatsoper, so präsentierte sich der Jubilar auch an diesem Abend. Ein Glücksfall, so einen Betreuer des Repertoires in seinem Ensemble führen zu können.

Unzählig sind die internationalen Auftritte des Ehrenmitglieds der Wiener Staatsoper, allein in Bayreuth schaffte er es, in 20 Festspielsaisonen zu arbeiten und führt dort die Aufführungslisten an, und in Bremen und Mannheim war er Generalmusikdirektor in einer Theaterlandschaft, in der man diesen Titel eher noch zu schätzen weiß, als in unseren Breiten. Und wie immer gut aufgehoben unter seinen Händen waren die Solisten dieser Salome ohne dass man das Gefühl hatte, sie würden geschont. Gekonnt führte er die Stimmen an die geforderten dynamischen Werte heran, ohne auf vorgesehene  Akzente in der Musik verzichten zu müssen.

Janina Baechle und Andreas Conrad

Janina Baechle und Andreas Conrad

Gun-Brit Barkmin wiederholte ihre gute Leistung an diesem Haus, optisch die ideale Kindfrau mit dem dramatischen Aplomb in der Stimme, treibt mit gesanglicher Stringenz Herodes so weit, ihr den todbringenden Wunsch zu erfüllen. Ihr Tanz hat eine angemessene Choreographie zu bieten und wirkt nicht –  wie so oft –  parodistisch, wenn Sängerinnen vermeinen, orientalisch wirken zu müssen.

Mit den zweifelnden und letzlich verzweifelten Tetrarchen stellt der aus Magdeburg gebürtige Hausdebütant Andreas Conrad einen mit scharf charakterisierendem Tenor und mit ebensolcher Sprechstimme agierenden Schwächling auf die Bühne, mit dem die Herodias der Janina Baechle letztlich ihr leichtes Spiel hat.

Überzeugend Wolfgang Koch, wenn er aus den tiefsten Gängen der Zisterne sein mahnendes Gewissen dröhnend hören läßt. Beinhart in seiner Haltung wirken seine kurz aufflammenden Sehnsüchte nach Fleischlichem mit etwas zu gewollter Oberflächlichkeit, da hätte man schon etwas mehr von der Verführbarkeit eines Heiligen erfahren wollen.

Ein noch junges Ensemblemitglied ist Ilseyar Khayrullova aus dem fernen Tartarenland, tritt gesanglich selbstbewußt als Page auf und nimmt sich liebevoll des schönstimmigen Narraboth von Carlos Osuna an.

Jason Bridges und Benedikt Kobel stechen aus der Schar der Juden heraus, auch der erste Soldat von Wolfgang Bankl fiel positiv auf.

Gutes Repertoire mit viel Jugend und Gästen aus dem Ausland (Ohne sonderliche Auffälligkeiten, wie manche im Forum des Online-Merkers meinen) bevölkerten das Haus, freundlicher aber kurzer Applaus.

 

Peter Skorepa
Online-MERKER
Fotos: Michael Pöhn/WSO

 

 

 

 

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