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WIEN/ Staatsoper: PARSIFAL – letzte Vorstellung

13.04.2012 | KRITIKEN, Oper

PARSIFAL –   Wiener Staatsoper, 12.4.2012

Es war das neunte Mal, dass Christian Thielemann in Wien den Parsifal dirigierte, der Rezensent war bei sieben dieser Aufführungen dabei – und muss feststellen, dass die besondere Magie, die normalerweise aus der Kombination Thielemann mit dem Staatsopernorchester entsteht, dieses Mal nicht zu spüren war. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass man – im Gegensatz zu vorigem Donnerstag – im Orchestergraben viele junge Gesichter sah. Man soll mich nicht falsch verstehen, natürlich war das Gesamtergebnis beeindruckend und stellenweise packend, allerdings hat man den „Parsifal“ schon intensiver gehört. Dem Publikum war das egal, der Dirigent wurde enthusiastisch gefeiert – er ist nun einmal in Wien der absolute Publikumsliebling!

Ein großes Ärgernis ist immer wieder die Inszenierung von Christine Mielitz. Da auch für die nächsten Jahre keine Neuinszenierung geplant ist, sollte man zumindest das Geld in die Hand nehmen und Mielitz dazu einladen, die Amfortas-Szenen zu überarbeiten. Diese sind so auf Thomas Quasthoff zugeschnitten, dass jeder andere Darsteller dieser Rolle die unmöglichsten Verrenkungen machen muss, um dem Regiekonzept halbwegs zu entsprechen. Falk Struckmann zeigte sich bei guter Stimme und stellte intensiv wie immer die Leiden des Gralskönigs dar. Eine kleine Unsicherheit gleich zu Beginn seines ersten Auftritts hatte keine Auswirkungen auf den weiteren Verlauf seiner Performance. Er musste an diesem Abend auch nicht mehr mit der dämlichen Perücke auftragen, die er noch bei der ersten Aufführung dieser Serie tragen musste. Auch ihm war ein großer persönlicher Erfolg beschieden.

Kwangchul Youn beherrschte mit seiner klaren Diktion den ersten Aufzug. Er hat keinen so fulminanten Bass wie zum Beispiel ein Matti Salminen, doch konnte er Autorität vermitteln – und er sang seine Rolle und verfiel nicht, wie man das so oft hört, in eine Art Sprechgesang. Auch er wurde besonders heftig akklamiert. Es war sicherlich die beste Rolle, die er in Wien in der letzten Zeit zum Besten gab.

 Sehr stark verbessert zeigte sich Simon O’Neill, der noch eine Woche zuvor etliche Missfallenskundgebungen über sich ergehen lassen musste. Er hat eine relativ helle Stimme, die keine baritonalen Untertöne hat (was man zum Beispiel bei Stephen Gould findet), sein Timbre würde ihn eher zu einem großartigen Mime, Loge oder Herodes machen. Er ist viel mehr Charakter- als Heldentenor. Schauspielerisch ist er ähnlich begabt wie Johan Botha. Was für ihn spricht ist, dass er keinerlei Höhenprobleme hat und alle Töne exakt trifft. Trotzdem war mehr als ein Höflichkeitsapplaus für den Neuseeländer nicht drinnen.

 Der „Haus-Klingsor“ der Wiener Staatsoper, Wolfgang Bankl, hat die Rolle absolut verinnerlicht und gestaltete sie profund und dämonisch. Eine wunderbare Leistung!

 Den besten Eindruck bei den kleineren männlichen Rollen hinterließ Norbert Ernst, der in der Rolle als 3.Knappe wieder einmal auf sein Potential aufmerksam machte. Man kann gespannt auf die nächste Saison sein, wo er für etliche große Rollen eingeteilt ist. Benedikt Kobel und Il Hong fielen als Gralsritter nicht weiters auf, dasselbe gilt für Peter Jelosits als 4.Knappe. Wirklich enttäuschend war Andreas Hörl als Titurel – da war weder Tiefe noch sonst was vorhanden.

 Publikumsovationen erhielt Angela Denoke, neben Wolfgang Bankl die einzige „Überlebende“ der Premierenserie. Wie man es von ihr gewohnt ist, geizte sie nicht mit ihren Reizen, sie spielte und sang die Kundry extrem intensiv und auch sicher. Gegen Ende des 2.Aufzugs merkte man aber, dass diese Rolle für sie eine Grenzpartie ist, da musste sie schon ziemlich forcieren. Denoke war allerdings ein absolutes Erlebnis und ist zur Zeit „die“ beste Kundry (quasi als Nachfolgerin von Waltraud Meier).

 Schwer haben es die Blumenmädchen in dieser Inszenierung, da sie immer so platziert sind, dass sie einander kaum hören können, was die Koordination nicht wirklich erleichtert. Somit obliegt es dem Kapellmeister für Ordnung zu sorgen. Und das ist etwas, das Thielemann wirklich beherrscht. Ileana Tonca, Olga Bezsmerta, Stephanie Houtzeel (auch als 2.Knappe zu hören), Anita Hartig, Alexandra Reinprecht und Zoryana Kushpler waren souverän. Juliette Mars gab den 1.Knappen und war eine durchschnittliche „Stimme vom Himmel“.

 Der Staatsopernchor war wie gewohnt souverän.

 Es war das letzte Mal für längere Zeit, dass man einen Oster-Parsifal in Wien unter Thielemann hören konnte und das Publikum verließ zufrieden das Haus.

Kurt Vlach

 

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