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WIEN/ Staatsoper: PARSIFAL – erste Vorstellung an Gründonnerstag

03.04.2015 | Oper

WIENER STAATSOPER: PARSIFAL  am 02.04.2015


Johan Botha in der Titelrolle. Foto: Wiener Staatsoper/ Pöhn

 Die diesjährige Parsifal-Serie blieb nicht von krankheitsbedingten Absagen verschont; so musste Peter Schneider das Dirigat absagen – wir wünschen ihm eine baldige Genesung!

Dass ein Kapellmeister vom Format eines Peter Schneider nicht leicht ersetzt werden kann, merkt man spätestens beim Lesen der Würdigung durch Direktor Meyer im April – „Prolog“. Mit Adam Fischer konnte allerdings eine der bestmöglichen Alternativen aufgeboten werden. Der in Ungarn gebürtige Kapellmeister gilt als Fachmann für Wagner, Strauss und Beethoven (und überhaupt) – mit Werken dieser Komponisten wird er uns in dieser Spielzeit noch erfreuen. Den Gründonnerstag – Parsifal hat er gemeinsam mit einem perfekt eingestellten Staatsopernorchester zu einem würdigen Bühnenweihfestspiel gestaltet. Wagners eindringliche Klanggemälde wurden bereits im Vorspiel mit aufwühlender Intensität in perfektem symphonischem Ausdruck dargestellt; besonders die Streicher, die Holzbläser und die Trompeten sorgten für die hochgelobte Wagner-Kompetenz dieses Orchesters.

 Die zweite Absage betraf die größte und anspruchsvollste Partie des Abends – den Gurnemanz. Für den erkrankten Stephen Milling konnte mit Kurt Rydl ein Ersatz aufgeboten werden, der den Chef der Gralsritter in Wien schon über 20x (zuletzt vor 10 Jahren) gesungen hat. So kurzfristig einzuspringen ist allein schon eine respekteinflößende Leistung; den Gurnemanz so authentisch darzustellen zeigt den routinierten Weltstar.

 Die Gralskönige waren mit Rollendebutanten besetzt: Michael Volle wurde mit der Last der denkwürdigen Vorgänger (Quasthoff, Hampson, Struckmann …) bestens fertig und stellte sich mit seinem  schönen, gut geführten Bariton erfolgreich in diese Reihe und gestaltete einen glaubhaft leidenden, verzweifelten Amfortas. Sein „Erbarmen“ klang herzerweichend und berührte sehr. Ryan Speedo Green war als Titurel eine gute Besetzung – dafür, dass die Rolle in dieser Inszenierung so sträflich vernachlässigt wird, kann er nichts – er hat das Beste daraus gemacht.

 Das Beste daraus gemacht – auf allerhöchstem Niveau – hat wieder einmal Johan Botha in der Titelrolle. Mit unglaublicher stimmlicher Gestaltungsfähigkeit wandelt er sich vom trotzigen Knaben, über den Zweifler, der die Erkenntnis gewinnt, bis zum selbstbewussten Erlöser. Wie er „den heil’gen Speer – ich bring ihn euch zurück!“ singt, ist an leidenschaftlichem Ausdruck nicht zu überbieten – für uns der Höhepunkt des Abends.

 Angela Denoke ist glücklicherweise noch immer in der traumhaften Verfassung, in der sie uns vor Kurzem in „Lady Macbeth von Mzensk“ begeisterte. Ihre Kundry ist ein Psychogramm der gequälten Seele zwischen Opfer und Täter. In den exzessivsten Passagen bleibt der gesangliche Ausdruck schön, exakt und dabei trotzdem voller Leidenschaft. Beim „und … lachte“ gab es Gänsehaut „a la Waltraud Meier“.

 Die Szene Kundry / Parsifal im 2. Akt wurde von den beiden Ausnahmekünstlern nicht nur wunderbar gesungen, sondern auch unglaublich intensiv gespielt. Die ungewöhnliche Wirkung wurde durch das einfühlsame Dirigat von Adam Fischer, der jede Gefühlsregung perfekt nachzeichnete, begünstigt.

 Als Klingsor vermissen wir Wolfgang Bankl. Boaz Daniel, den wir in den richtigen Rollen sehr schätzen, sang den abtrünnigen Bösewicht richtig und schön – die Verschlagenheit und die Bedrohlichkeit dieser Figur will aber einfach nicht spürbar werden.

 Die Blumenmädchen profitierten diesmal, gegenüber dem Vorjahr, von einer wesentlich besseren Zusammenstellung der Stimmen. Ileana Tonca, Olga Bezsmertna, Margarita Gritskova, Hila Fahima, Caroline Wenborn und Suzanne Hendrix vezauberten uns und heizten dem Parsifal gehörig ein. Monika Bohinec war eine Stimme von oben mit klarem, aber doch – dank dem genialen Standort im Lüster – psychedelischem Ausdruck.

 Die Knappen und Gralsritter (Catherine Trottmann, Juliette Mars, Jason Bridges, Peter Jelosits, Michael Roider und Yevheniy Kapitula) absolvierten brav und folgsam die zum Teil peinlichen Regieanweisungen (Fechtübungen udgl.) – die Mielitz-Regie wurde in den vergangenen Jahren schon ausführlich „gewürdigt“ – sie muss nicht weiter beschrieben werden.

 Die Leistungen des Staatsoperchores können allerdings nicht genug gewürdigt und beschrieben werden. Besonders beim Parsifal hat der Chor einen wesentlichen Anteil an der außergewöhnlichen Stimmung, die dieses Bühnenweihfestspiel vermittelt.

 Was wäre Ostern ohne Parsifal?

Maria und Johann Jahnas

 

 

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