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WIEN/ Staatsoper: PARSIFAL

29.03.2013 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: PARSIFAL – 28. März 2013

Die Promi-Dichte war enorm bei der Parsifal-Aufführung am Gründonnerstag in der Wiener Staatsoper. Die meisten Besucher erfuhren ja erst am Abend, dass Jonas Kaufmann seinen ersten Wagner-Abend am Ring wegen einer Grippe absagen hatte müssen. Kurzfristig war Christopher Ventris in die Bresche gesprungen, er hatte die Titelrolle in dieser Mielitz-Inszenierung am Haus ja schon öfters gesungen. Und es bedurfte nicht des Einspringer-Bonus’, dass er am Ende zu Recht bejubelt wurde. Seine helle, kraftvolle Stimme hatte er in jeder Sekunde im Griff, besondere schauspielerische Anforderungen sind vom Darsteller des Parsifal nicht zu bewältigen und so war die Absage Kaufmanns wohl in erster Linie nur für seine Hardcore-Fans bedauerlich, der Abend wurde auch ohne seinen angekündigten Star zu einem Erfolg. Gespannt sein kann man aber dennoch auf die Folgeaufführungen, wenn Evelyn Herlitzius mit ihrem Landsmann auf der Bühne stehen wird. Denn diesmal wirkte Herlitzius anfangs doch sehr gehemmt und ihre Stimme fand in den unteren Regionen nie zu einer einheitlichen Linie. Erst im zweiten Akt, als es hochdramatisch wurde, kamen ihre eruptiven Spitzentöne in voller Pracht. Besonders hörenswert: „Ich sah ihn und lachte!“ So punktete sie doch noch mit einer Rollengestaltung, die einen fast an eine verrückt gewordene Lucia erinnerte.

Wesentlich handfester ging da Tomasz Konieczny als Amfortas ans Werk. Positiv gibt es über ihn zu berichten, dass seine deutsche Aussprache große Fortschritte gemacht hat und dass auch ein gewisses „Knödeln“ fast verschwunden war, nur im Schlussakt kam diese sängerische Unart wieder etwas zum Vorschein. Aber im Großen und Ganzen dürfte der Pole auf dem richtigen Weg sein, wenngleich gerade als Amfortas ein etwas höherer Bariton wohl eine effektvollere Besetzung gewesen wäre. Ein wenig Anlaufschwierigkeiten hatte Kwangchul Youn als Gurnemanz, aber als er dann so richtig in Schwung war, bewies der Koreaner in perfektem Deutsch und mit vorbildhafter Artikulation, dass Wagner-Rollen mit Schmelz und „italienisch“ gesungen am meisten beeindrucken. Gleich voll zur Sache ging hingegen Wolfgang Bankl als Klingsor, allzu lang kann er sich in seiner Burg ja nicht Zeit lassen. Großer Applaus für den österreichischen Bass! Von den weiteren männlichen Protagonisten müssen Andreas Hörl (der einen soliden Titurel sang) und Marian Talaba (als 4. Knappe) besonders positiv hervorgehoben werden. Bei den Damen gibt es ein großes Pauschallob für die beiden Blumenmädchen-Gruppen mit Ileana Tonca, Olga Bezsmertna, Margarita Gritskova, Anita Hartig, Caroline Wenborne und Zoryana Kushpler: sexy und perfekt gesungen!

Auch der Wiener Staatsopernchor zeigte sich von seiner besten Seite, während mich das Dirigat von Franz Welser-Möst nicht ganz überzeugte – im Gegensatz zum Großteil des Publikums, das seinen Darling stürmisch feierte. Es schien genügend Probenzeit mit dem Staatopernorchester vorhanden gewesen zu sein, denn viele Details klangen gut gestaltet, aber irgendwie fehlte mir der große Bogen, die total berührenden Momente und das Versinken in der gewaltigen Musik Richard Wagners. Wenn Welser-Möst mit großer Dynamik ans Werk geht, klingt es am überzeugendsten, bei den feineren und leiseren Stellen nahm mich diesmal dieser Parsifal nicht wirklich gefangen.

Über die Inszenierung von Christine Mielitz, die sich nun schon neun Jahre im Programm hält und die bereits die 37. Aufführung erfuhr, war schon vieles gesagt worden, neue Kenntnisse gewann ich auch diesmal keine. Nur eine Anmerkung: Im Vergleich zur TV-Übertragung vom letzten Samstag aus Salzburg ist die Wiener Regie immer noch klarer Punktesieger! Ein erstaunlich kurzer, aber kräftiger Jubel des Publikums beendete den heurigen Gründonnerstag.

 Ernst Kopica

 

 

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