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WIEN/ Staatsoper: OTELLO

14.12.2012 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: OTELLO am 13.12.2012 – Das Verdi-Jahr wirft bereits seine Schatten voraus – und welche!

 Die sechs Jahre alte Inszenierung von Christine Mielitz gehört – nach unserer Meinung – zu ihren besten Arbeiten. Trotz Verlegung der Handlung in eine Boxarena wird die Geschichte nicht verfälscht – der Respekt vor Shakespeare und Verdi/Boito bleibt gewahrt. Beeindruckend ist nach wie vor die Personenführung des hervorragend agierenden und singenden Chores (incl. Kinderchor) und die Lichttechnik. Mit Bertrand de Billy steht ein kompetenter, einfühlsamer Kapellmeister am Pult, der mit dem perfekt aufspielenden Staatsopernorchester sowohl die tobende Gewitterstürme als auch die zartesten Passagen ausarbeitet bzw begleitet.

Das „Stimmwunder Johann Botha“ nimmt seine Fortsetzung. Die Darstellung des dominanten Feldherren, des zart liebenden Gatten, des vor Eifersucht rasenden Zynikers und des verzweifelten, reumütigen Gewalttäters wird stimmlich eindrucksvoll vermittelt. Wenn er nach der Erkenntnis seines tragischen Irrtums leidend „D e s d e m o n a“ haucht, möchte man am liebsten mitweinen.

Falk Struckmann hat nach der gesundheitlichen Irritation bei der ersten Vorstellung seine volle Sicherheit wiedererlangt und liefert sowohl darstellerisch als stimmlich den gewohnt eindrucksvollen Bösewicht und überrascht sogar mit einigen zarten, hohen Piani. Botha und Struckmann kann man ruhigen Gewissens als „Traumpaar“ bezeichnen.

 Soile Isokoski gelang in dieser Vorstellung eine sehr gute Desdemona, wobei die Stärken in der Mittellage und in den Höhen lagen – das „Ave Maria“ berührte mit selten gehörter, lyrischer Schönheit.

 Dimitrios Fletomotos überzeugt als sehr ansprechender Cassio und ist ein echter Gewinn für das hochwertige Ensemble – er wird uns in Zukunft sicher noch öfter mit seinem technisch gut geführten, klaren Tenor erfreuen. Jinxu Xiahou singt schnörkellos schön klingend einen guten Rodrigo und empfiehlt sich nachdrücklich für das „2. Fach“.

Die Emilia war mit Monika Bohinec luxuriös besetzt – sie sorgte dafür, dass bei dieser Vorstellung auch beeindruckende Mezzo-Klänge zu hören waren. Für die kleinen Rollen waren Alexandru Moisiuc (Lodovico) und Hans Peter Kammerer (Montano) aufgeboten.

 Beim Betrachten der Besetzungsliste fällt auf, dass die Oper ein sehr gutes Medikament gegen Fremdenfeindlichkeit sein müsste – allein bei den Gesangssolisten erlebten wir „Gastarbeiter“ aus acht verschiedenen Ländern – und alle machten Freude.

Weniger Freude machte ein einsamer Buh-Rufer gegen Johan Botha. Möglicherweise handelte es sich um einen frustrierten Ernährungsberater – künstlerische Gründe können (übereinstimmende Meinung auf dem Heimweg) nicht die Ursache gewesen sein.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

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