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WIEN/ Staatsoper: OTELLO

23.01.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper:  OTELLO    22. 1.

Die Besprechungen, die nach der ersten Vorstellung der aktuellen Serie las, waren alle sehr positiv. Ganz zu Recht, wie man auch nach der dritten Aufführung sagen kann. Verdi verlangt den Sängern viel Kraft, aber auch eine schöne Linie und ebensolche Töne. Die aktuelle Mielitz-Produktion reißt ja kaum zur Begeisterung hin, dennoch, es gibt Ärgeres an der Staatsoper zu sehen.

Dan Ettinger dirigiert, er liebt den kräftigen, zupackenden Ton, aber er gibt auch den gar nicht so wenigen lyrischen Stellen der Partitur genügend Raum zur klanglichen Entfaltung. Da   auch das Orchester sich sehr motiviert zeigt, gelingt der Abend mehr als zufrieden stellen. Sehr gut in Form ist der Chor/Thomas Lang.

Für Peter Seiffert ist es ein Rollendebut, nicht nur in Wien, sondern überhaupt. Er überzeugt auf Anhieb. Nach so vielen Jahren, in denen er Helden-Tenor-Rollen sang, behielt sein Timbre den hellen, lyrischen Klang. Man hat eigentlich nie den Eindruck, der müsse mit Kraft und Druck singen. So hört sich das „Esultate“ völlig mühelos an, ebenso, die Duette, die er als Rasender mit Desdemona und mit Jago zu singen hat. Die Sterbeszene singt er ganz in verhaltenem Ton. Insgesamt eine vorzügliche Leistung.

Als Desdemona hat sich Krassimira Stoyanova ja einen guten Ruf erworben. Anfänglich schien sie eine gewissen Anlaufzeit zu brauchen, bis ihr Sopran völlig erblühte. Sehr bewegend war „Lied von der Weide“ und das „Ave Maria“.

Als Schuft Jago war Franco Vassallo aufgeboten. Sein dunkler Bariton ist in bester italienischer Tradition und Schule. Er machte nicht nur das „Credo“ zu einem Höhepunkt der Vorstellung.

Für diese Oper braucht man nur drei vorzügliche Solisten und gute Sänger, für die zumeist kleinen Nebenrollen. Diesmal waren es Marian Talaba als Cassio; Peter Jelosits/Rodrigo, Dan Paul Dumitrescu dürfte seiner Kleidung nach ein Gesandter der Ölscheichs und nicht der Republik Venedig sein, recht klein sind die Aufgaben von Hiro Ijichi/Herold und von Eijiro Kai/Montano. Die Stimme von Aura Twarowska/Emilia hat sich sehr positiv weiter entwickelt.

Das Publikum feierte die drei Hauptpersonen und den Dirigenten ausführlich.

Martin Robert BOTZ

 

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