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WIEN/ Staatsoper: NORMA – letzte konzertante Vorstellung der Serie

21.05.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER . 21.05.2014 – NORMA – konzertant

 Derniere der etwas ungeliebten, konzertanten Norma, die durch den Ausfall von Edita Gruberova ihre Hauptattraktion verloren hatte. Maria Pia Piscitelli wurde im Verlauf der Serie beim undankbaren Versuch, den erwarteten Star zu ersetzen, immer sicherer und lieferte gestern eine durchaus beeindruckende Interpretation der Druidenpriesterin. Dank ihrer schönen, technisch guten Mittellage und Tiefe hörten wir eine gute, aber andere Norma. Die Stärken der Gruberova – die Koloraturen mit atemberaubenden Trillern und Verzierungen – konnte sie  nicht bieten und bei „Casta diva“ merkte man deutlich, wie wichtig es ist, die Norma erst mit gereifter, voll entwickelter Stimme in Angriff zu nehmen. Wenn auch (fast) alle Töne richtig gesungen wurden – der spezielle Zauber dieser außergewöhnlichen Arie wollte sich nicht einstellen.

 Die strahlende Königin des Abends war Nadia Krasteva in einer sensationellen Tagesverfassung. Sie sang die Adalgisa mit gewohnt sattem, warmem Alt und hatte mit den Höhen diesmal überhaupt keine Schwierigkeiten. Wir hatten den Eindruck, dass ihr die extremen Registerwechsel nicht nur mit Leichtigkeit gelangen sondern auch Freude bereiteten. Die Duette mit Norma waren die Höhepunkte des Abends, wobei diesmal Adalgisa die dominierende Hauptrolle war und ihre Ausstrahlung macht verständlich, dass Pollione genau so reagiert hat, wie er reagiert hat.

 Die Erkrankung von Massimo Giordano sorgte dafür, dass die vierte Vorstellung nicht in Routine versank. Der amerikanische Tenor John Osborn sprang kurzfristig ein und sang einen ansprechenden Pollione. Sein etwas kleiner, schmaler Tenor zwischen „di grazia“ und „spinto“ profitierte sowohl von der Positionierung vor dem Orchester als auch von der einfühlsamen Sängerbegleitung durch den Dirigenten. Seine Stimme klang schnörkellos schön, hatte ein angenehmes Timbre und war technisch gut geführt.

 Der Mann des Abends war wieder (wie immer in dieser Serie) Dan Paul Dumitrescu als Oroveso. Sein riesiger, wunderschön timbrierter, samtener Bass drückt jede Gefühlsregung aus und strahlt mit Leichtigkeit über den Chor – beeindruckend!

 Die kleinen Rollen – Clotilde (Simina Ivan) und Flavio (Carlos Osuna) – waren in erfreulicher Qualität aus dem Ensemble besetzt.

 Auch das Staatsopernorchester unter der temperamentvollen Leitung von Andriy Yurkevych hatte einen guten Tag. Besonders die Holzbläser sorgten für Verzückung – das Flötenvorspiel war das Beste am „Casta diva“. Der wunderbare Staatsopernchor klingt vor der Konzertkulisse besonders mächtig und schön.

 Egal was man von konzertanten Opernaufführungen hält – es ist schön, wenn man nach einer musikalisch guten Vorstellung (diesmal sogar von sehr guten Sicht- und Hörplätzen) das Haus ohne Regiefrust verlassen kann.

 Maria und Johann Jahnas

 

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