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WIEN/ Staatsoper: MAYERLING – Wiener Staatsballett – mit Hatala-Abschied

08.12.2014 | Allgemein, Ballett/Tanz

Wiener Staatsballett – 7.12.2014: „MAYERLING“ – Der letzte Vorhang für Gregor Hatala


Nina Polakova, Gregor Hatala. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Gregor Hatala, der letzte Solist des Wiener Staatsballetts, der noch ein echter Wiener ist und von Kindesalter an im Hause aufwachsen durfte und sämtlich klassische Hauptpartien hier bravourös zu gestalten vermochte, ist nun aus der Kompanie ausgeschieden. Den Jubel vieler alter Freunde konnte er am Ende seiner Abschiedsvorstellung entgegennehmen. Und er hatte als Thronfolger Rudolf in der getanzten Habsburger–Ballade „Mayerling“ zu einem Franz-Liszt-Pasticcio des britischen Choreographen Kenneth MacMillan mit einer eindrucksvollen Darstellung des von erotischen Zwängen getriebenen und den Selbstmord suchenden Kronprinzen einen starken Abgang.

 Verdienter Jubel für Hatala nach einer auch international erfolgreichen, wohl aber in den letzten Jahren unglücklich zerbröselten Karriere. Denn zwischen ihm, dem körperlich gereiften Wiener, athletisch und auch als „Dynamit auf der Bühne“ charakterisiert, und Manuel Legris, seit 2010 der Pariser Chef des Staatsballetts, hat sich in diesen Jahren keine wahre Freundschaft entwickelt. Der heimische Künstler befand sich nun einmal in der schwächeren Position. Und somit, nicht glaubhaft, und doch: Hatala trainierte zwar, ist aber vor diesem seinen Abschiedsabend über drei Jahre nicht mehr auf der Bühne der Staatsoper gestanden! Und vor zwei Jahren, im März 2012, hatte er seinen letzten Auftritt in der Volksoper. Ja, auch solch ein Kuriosum zählt nun zur österreichischen Bundestheater-Historie.

 Mit Hatala ist jetzt der letzte Österreicher aus dem international zusammengesetzten Solotänzer-Aufgebot des Staatsballetts, achtzehn Damen und Herren diese Saison, ausgeschieden. Bietet sich aber nun auch heimischer Eigenbau-Nachwuchs für solch eine überkommene Ballettsaal-Hierarchie an? Es müsste für einige Österreicher zu schaffen sein. Etwa für die junge Natascha Mair, die bei ihrem Rollendebüt als Kronprinzessin Stephanie tänzerisch wie ausdrucksmäßig mit ihrer Frische voll zu überzeugen vermochte. Geglückte Debüts gab es an dem Abend ebenfalls auch von Nina Polaková als Mary Vetsera und Richard Szabó als Rudolfs Leibfiaker Bratfisch. Gefallen konnte jedenfalls das ganze Ensemble. Und wer sich im Publikum bei den fünf Aufführungen dieser einwöchigen „Mayerling“-Aufführungsserie unter der musikalischen Leitung von Guillermo García Calvo in die verästelte Geschichte von Kronprinz Rudolfs Eros-  und Herrscherfamilie-Trauma einzuleben vermochte, wurde durchaus gut bedient.

Meinhard Rüdenauer

 

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