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WIEN/ Staatsoper: MADAMA BUTTERFLY

10.04.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: 09.04.2014 – MADAMA BUTTERFLY

 Nein – das ist keine Liebesgeschichte sondern eine leidenschaftliche Anklage des Amerika – kritischen Puccini über die selbstgefällige, menschenverachtende Großmachtpolitik, die mit militärischer Stärke fremde Kulturen missachtet und beleidigt. Repräsentiert wird dies durch B. F. Pinkerton, Leutnant des Kriegsschiffes „Abraham Lincoln“ – einem der miesesten Charaktere der Opernliteratur, der umso abstoßender wirkt, wenn er so eindrucksvoll wie gestern von Bryan Hymel gespielt wird. Der amerikanische Spinto – Tenor gestaltet beängstigend realistisch den rücksichtslosen Macho, der sich ein sexuelles Abenteuer organisiert, ohne einen Gedanken an die Folgen seines Tuns zu verschwenden. Als er  – aufgerüttelt durch die Existenz seines Sohnes – die Auswirkungen seiner Handlungen erkennt, ist nicht Demut und Mitleid mit Cio-Cio-San, sondern Wehleidigkeit und Selbstmitleid die nicht unerwartete Reaktion. Er erkennt seine Feigheit und versteckt sich dahinter – die Konsequenzen zu ziehen überlässt er typischerweise den Frauen.

Der Satz von Stefan Mickisch stimmt schon: „Wagner beschreibt die Welt, wie sie sein sollte, Puccini beschreibt sie so, wie sie ist!“

 Auch gesanglich wird Bryan Hymel, den wir erstmals in Wien hören konnten, den Anforderungen der Rolle voll gerecht. Sein höhensicherer, leicht metallischer Tenor trägt im Piano und klingt im Forte angenehm und technisch gut.

 Sharpless, der Konsul der die Aktivitäten des Pinkerton tatkräftig unterstützt – zum Schluss aber von der Hartherzigkeit des Offiziers entsetzt ist – wird von Markus Eiche hervorragend dargestellt und mit seinem geradlinigen, gereiften Bariton sehr schön gesungen.

 Hui He  hat in der Butterfly eine Lebensrolle gefunden. Wir hörten sie bereits 2004 in der Volksoper – allerdings noch nicht mit ihren heutigen lyrischen Fähigkeiten. Sie stellt das etwas naive Mädchen, das aus Sehnsucht nach der „modernen Welt“ und aus schwärmerischer Verliebtheit den Bezug zur Realität verliert, bis in die kleinste Geste überzeugend dar und ist sowohl im Lyrischen als auch im Dramatischen schönstimmig und technisch perfekt.

 Suzuki, ihre Vertraute ist mit Zoryana Kushpler luxuriös besetzt. Das Gebet für Cio-Cio-San am Beginn des zweiten Aktes und das Duett mit Butterfly beim Blütenstreuen gehört, dank der Harmonie der beiden Frauenstimmen zu den berührendsten Momenten des Abends.

 Die kleinen Rollen – Benedikt Kobel als Goro, Hans Peter Kammerer als Fürst Yamadori, Il Hong als Onkel Bonze und Donna Ellen als Kate Pinkerton – blieben gestern neben den dominanten Hauptdarstellern eher farblos.

 Dass die Vorstellung trotz hervorragenden schauspielerischen und sehr guten gesanglichen Leistungen nicht über ein durchschnittliches Repetoir – Niveau hinauskam, lag am ungewohnt leidenschaftslosen Spiel des Staatsopernorchesters (trotz prominenter Besetzung) unter der Leitung des englischen Dirigenten Jonathan Darlington, dem es leider nicht gelang, mit den sonst so aufwühlenden Puccini –Klängen zu berühren.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

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