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WIEN/ Staatsoper: MACBETH – Wenn Mittelmaß sich festsetzt

28.02.2018 | Oper

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Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

WIEN / Staatsoper: „MACBETH“ – Wenn Mittelmaß sich festsetzt

27.2. 2018 – Karl Masek

Macbeth hat im Haus am Ring seit langem keine wirkliche Glückssträhne mehr. Auf dem  Erinnerungsblatt steht die mitreißende Premiere vom 7.2. 1982 , die bildmächtige Inszenierung, sehr Shakespeare-inspiriert, von Peter Wood, explosiv dirigiert von Giuseppe Sinopoli, von Renato Bruson (später Piero Cappuccilli), Mara Zampieri, Nicolai Ghiaurov und Peter Dvorsky in den vier Hauptpartien exemplarisch gesungen.

Über die Inszenierung der Vera Nemirova aus dem Jahr 2009 – sie hat nur 6 Aufführungen erlebt und wurde alsbald verschämt skartiert – schweigt das Erinnerungsblatt diskret.

Ja, und jetzt seit Oktober 2015 die 15. Aufführung der aktuellen Inszenierung von Christian Räth. Diese Regie hat wenig riskiert, niemand vor den Kopf gestoßen. Interpretation, subkutan. Halt ein bisschen in die Gegenwart geschielt. Ein Hauch von Militärdiktatur, bunkerartige Betonfestung (die Ausstattung, welche störend lange Umbaupausen inkludiert, stammt von Gary McCann). Ein Bett wie aus einem abgewohnten Hotel der 50er Jahre abtransportiert, für das Ehepaar Macbeth im 2. Akt, im 3. Akt kommen ihn dann sogar die Hexen dort besuchen.

Insgesamt also eine Hervorbringung, die niemandem wehtut, in ihrer Mittelmäßigkeit weder ein Aufreger noch eine künstlerische Großtat ist.

Ein Nach-Nach-Nachfolger des furiosen Sinopoli ist mit Hausdebüt an der Staatsoper der Mailänder Giampaolo Bisanti. Von einer deutschen Opernzeitschrift wurde der Dirigent vor wenigen Monaten als „Maestro furioso“ bezeichnet. In Dresden hatte er in der Semperoper „Lucia di Lammermoor“ dirigiert, seine Biographie zählt Gastspiele quer durch Opern-Italien, sowie die einschlägigen Tempel Zürich, Berlin, Barcelona, Lissabon und etliche andere auf.  Weit herumgekommen, der smarte Motorrad-Freak.

Mit großer Geste und dickem Pinsel trägt er ziemlich pastos auf. Die in Wien verbliebenen Reste des  Orchesters der Wiener Staatsoper spielten jedoch eine Sicherheitsvorstellung, routiniertes „al fresco“ diesmal, ohne viel Risiko, und auch ohne allzu viel Animo. Es waren wohl einige Substituten dabei, denn die Wiener Philharmoniker sind wieder einmal auf Tournee. Gab es eine Orchesterprobe (viele übten unmittelbar vor der Vorstellung noch im Orchestergraben)?

Mittelmaß setzte sich fest. Zumal die sängerischen Leistungen an diesem Abend wenig Grund zu Enthusiasmus gaben.

Zeljko Lučić enttäuschte bei seinem Wiener Rollendebüt als Macbeth. Einen Abend lang war er auf der Suche nach den richtigen Tönen, distonierte zeitweise enervierend. Sein Bariton klang an diesem Abend matt, kraftlos, zögerlich, mit sich verengender Höhe. Selbst mit dem Arien-Ohrwurm „Pietà, rispetto, amore“ vermochte er kein Glanzlicht zu setzen. Und man wusste nicht: Schleppte der Dirigent oder der Sänger, und der Mann am Pult nahm Rücksicht?

Die Weltreisende in Sachen Lady Macbeth, Tatiana Serjan (sie hatte schon die Premiere gesungen) schien von vielen Macbeth-Vorstellungen der vergangenen Jahre auch schon etwas ermattet, sandte Stentor-Töne in den Saal, die alles andere als schön klangen. Ab der Bankett-Szene konsolidierte sie sich etwas und kam dann mit einer gut gemeisterten Schlafwandel-Szene samt hohem Des mit Anstand zum Wahnsinnsende.


Jongmin Park. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Jongmin Park, in dieser Saison quer durch die „Fächer“ vielbeschäftigt (gerade noch als „Figaro“ eingesetzt, im April kommt  Hunding, im Mai wieder der Rossini-Basilio, im Juni soll der König Heinrich in Lohengrin kommen!), sang als Banquo  legatissimo mit schwarzem Bass seine Arie „Come dal ciel precipita“. Sonst beginnt sich – so will mir scheinen – ein gewisser Überdruck in der Tonproduktion abzuzeichnen. Vielleicht sollte er doch nicht „alles zugleich in allzu kurzer Zeit wollen“. Und, ja, es ist gut, wenn man dieses große Talent mit großen Rollenaufgaben fördert. Aber zur Überforderung ist es oft nur ein kleiner Schritt …

Der Tenor Murat Karahan ersang sich beim Rollendebüt mit der späten Macduff-Arie mit wenig attraktivem Stimmtimbre, aber sicher gesetzten Höhen einen Publikumserfolg.

Carlos Osuna ist ein seriöser Tenor und wertvolles Ensemblemitglied auch als Malcolm, der im Schlussakt markant hervortreten muss.

Der Chor der Wiener Staatsoper bemühte sich nach Kräften, konnte aber das Steuer allein auch nicht in Richtung Spitze herumreißen (Leitung: Thomas Lang).

Fazit: Zur Spitzenvorstellung war diesmal eine Menge Luft nach oben. Das Publikum war, so scheint’s, an diesem Abend aber durchaus einverstanden mit dem Gebotenen. Freundliche Akklamation, ein paar Bravorufe. Zwei Buhrufe gegen Lučić.

Karl Masek

 

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