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WIEN/ Staatsoper: LUCIA DI LAMMERMOOR mit etwas fader Braut

01.07.2012 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: Gaetano Donizetti LUCIA DI LAMMERMOOR am 30. Juni 2012

Wäre die tags zuvor aufgeführte Vorstellung des Don Carlo am letzten Spieltag der Saison gewesen, dann hätte die Wiener Staatsoper diese Spielzeit mit einer traumhaften Aufführung der Verdi Oper und einer musikalischen Sternstunde beendet.

Doch leider endete die Spielzeit mit einer nur durchschnittlichen Aufführung von Donizetti’s Lucia di Lammermoor.

Das lag zu einem großen Teil an dem uneinheitlichen Dirigat von Guillermo Garcia Calvo, der nur allzu gerne das Orchester zu übertriebener Lautstärke forderte und die in manchen Szenen notwendige musikalische Sensibilität vermissen ließ. Zudem mangelte es an Koordination zwischen dem Orchester und den Sängern, was gerade in den ersten Bildern für einen unharmonischen Verlauf sorgte. Es dauerte eine Weile bis der Dirigent dann alle Komponenten zusammenführen konnte.

Brenda Rae – die Einspringerin dieser Lucia-Serie – sang die Titelfigur technisch einwandfrei. Sie hat eine leichte Stimme, besitzt die Koloraturfähigkeit und die Spitzentöne für die Partie, kann auch Triller singen. Doch bei all dieser technischen Perfektion langweilte man sich etwas mit dieser Braut von Lammermoor, denn als Figur war sie recht unscheinbar. Diese Lucia hatte nichts Fesselndes an sich und so richtig ging die Sängerin nicht aus sich heraus. Zu kontrolliert war ihr Vortrag, und der Wahnsinnsszene fehlte der Wahnsinn. Gestalterisch müßte man noch viel mehr aus dieser Rolle herausholen. Doch die Sängerin ist noch jung und sie wird hoffentlich auch als Darstellerin noch weiter reifen.

Wenn Joseph Calleja als derzeit weltbester Edgardo gilt, dann wird wohl Piotr Beczala der zweitbeste sein. Oder wenn nicht das, wie bei dieser Aufführung, dann sicher einer der besseren. An diesem Abend überzeugte er jedenfalls nicht vollständig. Was ihm für den perfekten Edgardo fehlt ist der Belcanto-Schmelz, sein Tenor klingt manchmal schon etwas zu hart für Belcanto und ist fast schon einen Tick zu heroisch. Die Stimme weist schon in eine andere Richtung. Außerdem ist seine Pianokultur nicht die beste, da flutschte schon ab und zu ein Ton weg. Auch mit der exponierten Höhe hatte der Sänger so seine Schwierigkeiten. Bei Tombe degli avi miei fürchtete man schon, dass ihm beim Spitzenton die Stimme wegbricht.

Trotz dieser Einwände ist er immer noch ein guter Edgardo, der stimmlich in der Turmszene den besten Eindruck hinterließ.

Mit Marco Caria stand ein schön timbrierter Enrico auf der Bühne, dessen Bariton bei Belcanto-Partien derzeit gut aufgehoben ist. Die Stimme des Sarden ist kernig und verfügt auch über Kraft, wie er eindrucksvoll in der Turmszene beweisen konnte.

Sorin Coliban, der über eine kräftige Bass-Stimme verfügt, empfiehlt sich nicht unbedingt für Partien des Belcanto. Sein Raimondo tönte auffallend laut, so dass man meinen konnte, er wollte mit dem manchmal zu üppigen Orchesterklang phonetisch mithalten. Ho-Yoon Chung mühte sich mit der unangenehmen Höhe der Partie des Arturo.

Das Ensemble komplettierten Juliette Mars als solide Alisa und Peter Jelosits als wenig belcantesk klingender Normanno.

Am Ende gab es Jubel für die Sänger, doch so richtige Belcanto-Wonnen wollten sich nicht einstellen.

Lukas Link

 

 

 

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