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WIEN/ Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE

21.11.2017 | Oper

WIENER STAATSOPER: „L ´ELISIR D ´AMORE“ am 20.11.2017

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Erwin Schrott (Dulcamara). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Es ist schön. gleich zwei Bühnenbilder von Jürgen Rose an zwei musikalisch so verschiedenen Abenden hintereinander bewundern zu können. Auf Salome folgte L’elisir d’amore. Die Premiere der Donizetti Oper in der Regie von Otto Schenk war 1973 mit Nicolai Gedda, Reri Grist und Eberhard Wächter im Theater an der Wien. Damals eine Festwochenproduktion  gemeinsam mit der Wiener Staatsoper. Erst 1980 wurde dann dieses Juwel am Ring mit Peter Dvorsky,  Bernd Weikl, Giuseppe Taddei und Ileana Cotrubas unter Jesus Lopes Cobos übernommen.

Und immer wieder ist es eine Freude, wenn der Vorhang aufgeht und man so viel Schönes erblicken kann.

Vieles ist noch von der Personenführung sehr gut erhalten, speziell im Bereich des Chores, wo die Einteilung immer sehr genau übermittelt wurde und wird. Das gilt auch für die Komparserie, da erblickt man ja noch etwas gereifte Premierengesichter. Die Regiebücher wurden von den Regieassistenten dieser Ära auch immer sehr gut geführt, also mit etwas guten Willen kann man immer eine gute Abendregie auf die Beine stellen. Eigentlich funktioniert dies auch fast immer, selbst wenn man, wie am aktuellen Abend, einen etwas eigenwilligen Dulcamara hat. Erwin Schrott im eigenen Kostüm macht szenisch und auch musikalisch, was er will – bis auf einige Dinge die sein müssen. Szenisch kann das recht witzig sein, musikalisch wären mehr richtige Töne sicher kein Manko. Er legte diesmal den Dulcamara mehr in Richtung runtergekommener Mirakel bis besoffener Mefisto an. Sicher lustig, aber sängerisch habe ich mir mehr erwartet.

Das kann man auch von Vittorio Grigolo sagen. Sein Nemorino ist eher ein Zappelphilipp in Richtung Villazon und stimmlich ist eigentlich sein Timbre sicher kein Tenore di grazia mehr, sondern bereits reifer Spinto mit viel Metall und schon leicht baritonal gefärbter Tiefe. Er versucht sich zwar über die Klippen zu schwindeln, beeindruckt mit lang gehaltenen Höhen, aber Donizetti sollte stilistisch anders gesungen werden. Dieser Nemorino war schon fast ein Turridu.

Die angebetete Adina wurde von Andrea Carroll sehr schön, kokett und später auch seelenvoll gesungen. Eine sehr feine lyrische Stimme, die auch die Koloraturen mühelos bewältigt. Schauspielerisch ist sie den Kollegen eine angepasste Partnerin. Orhan Yildiz singt den eitlen Gockel Belcore mit viel Witz, spielt sympathisch ohne viel zu outrieren. Stimmlich konnte er mit den „großen Namen“ tadellos mithalten. Hila Fahima als Giannetta war wie immer eine positive Erscheinung.

Guillermo Garcia Calvo, der nun GMD in Chemnitz ist, hatte es diesen Abend mit den beiden „Met Stars“ nicht einfach. Tempi waren da wirklich Glückssache. Dennoch hatte er es im Griff, das Orchester zeigte seine gewohnte Qualität, ebenso wie immer der gut gelaunte Chor.

Elena Habermann

P.S: Auch die „Met“, wo ja alles immer besser ist, kocht offensichtlich nur mit Wasser!

 

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