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WIEN/ Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE

11.12.2016 | Oper

WIEN/ Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE – am 10.12.2016

Die Wiener Staatsoper war gerammelt voll, etwa zu 103 % auslastet. Wieso 103 % – zu Beginn wohlgemerkt? Das wird Ihnen der Herausgeber unseres Internetauftritts an anderer Stelle erzählen. Den habe ich selten so fuchsteufelswild erlebt – aber das gehört nicht in eine Kurzkritik!

Foto:
Jinxu Xiahou war Nemorino. Copyright: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

L’Elisir d’Amore dauert ingesamt etwa so lang wie der dritte Akt Meistersinger – oder der erste Akt „Götterdämmerung“. Wieso sich bei dieser Spieldauer in der Pause – bei uns am Balkon – Besucher bei der Garderobe drängten, verstehe ich nicht. Hatten Sie an diesem Samstagabend noch Besseres vor? Das Bessere ist der Feind des Guten – und zum Davonlaufen war dieser Liebestrank nun wirklich nicht.

Aida Garifullina war – wie immer – eine Augenweide. Nicht nur darstellerisch, auch gesanglich übertraf sie ihre (einspringende) Rollenvorgängerin vom vergangen Montag. Groß ist ihre Stimme nicht unbedingt, aber bei einem rücksichtsvollen Dirigenten kommt sie recht ordentlich rüber. Auch für ein Haus dieser Bedeutung ist sie eine herzeigbare Besetzung.  Jinxu Xiahou, der in letzter Zeit auch von „Merker“-Kritikern Richtung Himmel gehoben, ist auch sehr spielfreudig und dann ein Staatsopern-würdiger Nemorino, wenn kein Superstar zur Verfügung steht. So ganz wurde er den Vorschusslorbeeren aber nicht gerecht, nach seiner Bravourarie gab es eher „Einheitsbeifall“ des stark touristisch durchsetzten Hauses. Pietro Spagnoli als Belcore machte in jeder Hinsicht gute Figur.

Star dieser Aufführung war natürlich Bryn Terfel als Dulcamara. Er besticht durch seine geradezu umwerfende Bühnenpräsenz, die setzt er so verschwenderisch ein, dass er ziemlich unangefochten „erster Sieger“ ist. Lauren Michelle als Gianetta ließ stimmlich Interessantes hören und optisch Angenehmes sehen – ein Versprechen für die Zukunft? Wir sind gespannt, wenn „Stunden der Wahrheit“ kommen.

Pavel Baleff, Orchesterchef in Baden Baden, lieferte mit den beiden Vorstellungen ein gelungenes Wien-Debüt. Die  Philharmoniker folgten ihm brav, er sorgte für einen reibungslosen und kurzweiligen Ablauf. Das Dirigat war sängerfreundlich, dafür wurde der Maestro sogar mit einigen Bravos bedacht, die ihn sichtlich glücklich machten. .

Verlässlich und souverän wie meist agierte der Staatsopernchor!

Die Vorstellung bot somit einen gelungenen Beginn eines sich hoffentlich noch schön fortsetzenden Samstag-Abends!

Renate Riener

 

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