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WIEN / Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE

15.02.2015 | KRITIKEN, Oper


WIEN /
Staatsoper
L’ELISIR D’AMORE von Gaetano Donizetti
218. Aufführung in dieser Inszenierung
15. Februar 2015  

Vielleicht ist ein Sontagnachmittag bei ziemlich klirrender Kälte (das hustende Publikum war auch ein Hauptdarsteller) nicht der ideale Zeitpunkt, einen „Liebestrank“ auszugießen. Selbst Marco Armiliato, von dem man doch weiß, dass er das Repertoire im kleinen Finger hat, holperte sich mit den Philharmonikern mehr oder minder durch die Ouvertüre in eine Aufführung, die dann im Ganzen ziemlich grobschlächtig daherkam – aber bei ihrer Besetzung auch keinerlei Feinarbeit brauchte.

Ausschließlich die hauseigenen Sänger waren eingesetzt – das nennt man natürlich Ensemblepflege, und das gilt als etwas Edles, aber die Sache hat ihre Haken. Das Liebespaar zum Beispiel – zwei Sänger, die von der Direktion viel zu früh in ganz große Rollen gestellt sind und außerdem noch in solche, die ihnen eigentlich nicht liegen.

Dass der sympathische Chinese Jinxu Xiahou ein bisschen pummelig und plump wirkt, macht gerade bei dieser Rolle gar nichts (man erinnert sich an einen Koloß von Mann, der einst die Idealbesetzung des Nemorino war…). Dass seine Stimme für dieses Fach nicht geeignet ist, keinerlei schmelzende Schönheit bietet und überhaupt nur in den metalligen, allerdings dort leuchtenden Höhen auffällt, das kulminierte dann in einer gänzlich ohne Raffinesse, ohne Kultur gesungenen „Furtiva lagrima“. Nein, so nicht.

Und Valentina Naforniţa sieht zwar wieder einmal entzückend aus (wenngleich man nach der Opernball-Fernsehübertragung sagen muss, dass die Frage „Wer ist die Schönste in der ganzen Staatsoper?“ jetzt mit Aida Garifullina eine zweite Kandidatin gefunden hat…), aber in ihrer Stimme wohnt ein unangenehmer harter Kern, und eine Kantilene schön und locker zu singen, ist ihre Sache nicht – eigentlich bezweifelt man sogar, dass sie es kann, so sehr gerät ihr permanent Schärfe in die Kehle (und immer wieder reißen Töne ab). Bei der Musetta ist sie weit besser aufgehoben als bei der geforderten Donizetti-Leichtigkeit und Kunstfertigkeit. Allerdings kann sie bei dem Schauderwetter auch in keiner guten Verfassung gewesen sein wie Annika Gerhards als Giannetta: Was man sah, war hübsch, was man hörte, weit weniger.

Wie man es schon oft erlebt hat, hing der Abend ziemlich durch, bis der Doktor Dulcamara als Erlöser erschien und dann auch das Publikum Anteilnahme zeigte und Applaus spendete. Man weiß ja, dass unser Rigoletto-Retter Paolo Rumetz viel lieber Simone oder Amonasro singen würde, aber glücklicherweise ist er auch für das „Šramek“-Fach, wie er es nennt, hoch geeignet, denn sein genuiner, breit ruhender italienischer Bariton hat einerseits genug Tiefe, andererseits genug Beweglichkeit für die Anforderungen des guten Doktors. Er spielt ihn ganz eigen, ist kein Spitzbub, der mit Lazzi auftritt und das Publikum gleich als Rattenfänger einfängt – er zeigt erst den routinierten Reisenden, der einfach sein Geld machen will, und erst im zweiten Akt, wenn er dann ehrlichen Anteil an dem Liebespaar nimmt, wird er immer lebendiger und komischer.

Für das Publikum war er der Held, während Marco Caria als Belcore zwar immer wieder fest aufdrehte, aber auch daran scheiterte, dass diese Rolle einfach nicht in die erste Reihe zu holen ist – wann hätte man je einen Sänger gesehen, der sich mit den drei anderen gleichwertig zum Quartett fügte?

Die Anlage zum Text-Mitlesen erwachte erst eine halbe Stunde nach Beginn zum Leben, was „Liebestrank“-Routiniers nicht störte, wohl aber das fremdsprachige Publikum. Es war vorhanden, wenn auch nicht vollständig – man hatte nicht den Eindruck, dass die vielen Herrschaften, die vor dem Haus überteuerte Karten anboten, diese auch durchwegs anbrachten. Am Ende gab’s dann herzlichen Beifall – ein Donizetti-Happyend ist ein Donizetti-Happyend, vor allem für jene, die es nicht schon viel, viel besser gehört haben.

Renate Wagner

 

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