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WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO

16.10.2016 | Oper

WIENER STAATSOPER: LE NOZZE DI FIGARO am 15.10.2016  

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Mario Cassi. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Vollmond und Föhn, könnte das der Grund sein, warum diese Vorstellung so durchwachsen war ? Von den letzten Abenden der Verdiopern „Simone“ und „Aida“ doch etwas verwöhnt, war der Figaro doch bloß  Mittelmaß.

Dieser Einwand betrifft nicht die  musikalische Leitung von Adam Fischer, das war feiner Mozartstil, wie ihn auch die „Substituten“ unseres Orchesters bestens können.

Das Rollendebüt von Peter Mattei als Lüstling Conte d ´Almaviva verlief sehr gut und er konnte die Rolle wirklich voll erfüllen. Die Stimme ist dafür genau richtig, der Stil gut getroffen, die Rezitative waren gut geprobt, und klangen verständlich und sehr gut, das gilt für alle im Team. Die Arie war richtig und effektvoll vorgetragen. Von seiner Verführungskunst scheint er so überzeugt zu sein, dass er auf einen erotischeren Klang im Duett mit Susanna keinen Wert legt. Schauspielerisch war er sehr überzeugend.

Der zweite Debütant war Mario Cassi in der Titelrolle. Der Bariton aus Arezzo, (der Stadt des Guido von Arezzo, dem Erfinder der Notenschrift. Auch aus Arezzo ist Petrarca, den wir im „Simon“ und „Rienzi“ wieder finden) hat ein schönes edles Belcantotimbre, singt stilistisch sehr gut, nur die Rolle des Figaro ist ihm einfach zu tief. So hörte man wunderbare Rezitative, da war er sicher der Beste, aber in den Arien hörte man die Grenzen, einen Belcore oder sonst eine schöne Baritonrolle würde ich gerne von ihm hören. Als Darsteller konnte er absolut gefallen. Eine Luxusbesetzung ist Peter Rose als stimmschöner gemütlich polternder Don Bartolo mit perfektem Parlando. Auch er gab ein Rollendebüt in Wien.

Erstmals hörte man auch Miriam Albano als pubertären, alle Röcke jagenden Cherubino. Die junge Sängerin kommt von der Barockmusik, das der Mozartinterpretation sehr entgegen kommt. Eine schöne klare Mezzostimme, die technisch gut geführt ist, aber zur gesamten Beurteilung der Interpretation sollte man noch einige Vorstellungen abwarten. Ein lustiger Antonio war erstmals Igor Oneshchenko mit edler Stimme.

Die „Alteingesessenen“ waren als Contessa d ´Almaviva Dorothea Röschmann, die sich mit sehr viel harten Fortetönen durch die Rolle kämpfte. Auch Valentina Nafornita als Susanna hörte ich schon mit weniger Vibrato in den Fortehöhen, die Piani gelangen allerdings ganz besonders schön.

Ein musikalisch sicherer Don Basilio ist Herwig Pecoraro, der auch sehr gut zu spielen versteht. Eine freche Barbarina gab Ileana Tonca. Da wäre die Susanna zu wünschen. Benedikt Kobel stotterte sich ordentlich durch den Don Curzio. Engagiertes Spiel, das wärs, was zu Zoryana Kushpler (Marcellina) zu bemerken wäre.  

Der Chor machte seine Sache unter Martin Schebasta gewohnt gut.

Lustig ist, dass fast zu gleicher Zeit der „Figaro“ in der Ponelle Inszenierung als Gastspiel der Wiener Staatsoper unter Riccardo Muti in Japan gespielt wird.

Elena Habermann

 

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