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WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO

26.06.2016 | Oper

Wiener Staatsoper: „LE NOZZE DI FIGARO“ am 25.6.2016


Valentina Nafornita, Alessio Arduini. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Passend zur derzeit laufenden Fußball-EM steht in diesem Werk eine Elf auf der Bühne. Die Kapitänsrolle fällt dabei eindeutig dem Grafen von Luca Pisaroni zu. Mit samtweichem, verführerischem Timbre ist er, seiner Eroberung Rosinas längst überdrüssig geworden, wieder seinem erotischen Jagdtrieb verfallen. Aber auch die Eifersucht auf seinen Kammerdiener und die gekränkte Eitelkeit bringt er perfekt zum Ausdruck und wenn er schlussendlich überführt wird und vor seiner Gräfin mit „Contessa perdono“ auf die Knie sinkt, so bleibt dieser ja wirklich nichts anderes übrig, als zu verzeihen, auch wenn ihr bewusst ist, dass das nur das Ende einer Episode und keine dauerhafte Wandlung sein kann.

Diese Gräfin ist erstmals in dieser Serie die junge Amerikanerin Rachel Willis-Sørensen. Die Stimme klingt merkwürdig steif und es gelingen ihr kaum die breiten, schwebenden Bögen. Bei beiden Arien gibt es mehr als genug Luft nach oben. Ein quirliger, spielfreudiger Figaro ist Alessio Arduini. Einzig bei den tief liegenden Stellen seiner Partie hat er leichte Probleme. Die Tiefe ist auch ein Problem seiner Verlobten. Bei der Rosenarie war klar zu erkennen, wie erleichtert Valentina Naforniţă war, die tiefen Passagen gemeistert zu haben, um dann mit einem wunderschönen Piano-Schluss zu überzeugen. Eine erfreuliche Erstbegegnung war der Cherubino von Marianna Crebassa. Die junge Französin besitzt einen warmen, weichen Mezzo und ein überzeugendes Spieltalent. Mit scharf charakterisierendem Tenor betrieb Thomas Ebenstein als Basilio sein intrigantes Geschäft und Peter Jelosits stotterte routiniert den Don Curzio.

Die späten Eltern ihres zum Figaro mutierten Raffaello waren Ulrike Helzel (als sehr junge Mutter) und Sorin Coliban, bei dessen mächtigem Organ es nicht verwundert, dass ihn ganz Sevilla kennt. Ordentlich der versoffene Gärtner von Mihail Dogotari und seine umtriebige Tochter Annika Gerhards.

Am Pult stand Cornelius Meister, der mit straffe Tempi für einen flotten Ablauf sorgte. Bei seinen kurzen Szenen war der Chor gut studiert. (Die Chorsolostellen im dritten Akt sind ja in dieser Produktion Barberina und Cherubino anvertraut.)

Wolfgang Habermann

 

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