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WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO

13.01.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER – LE NOZZE DI FIGARO. 12. Jänner 2014

 Einen zwiespältigen Abend hinterließ die Sonntagabend-Aufführung der Wiener Staatsoper, dabei stand mit Le Nozze di Figaro die wohl brillanteste der drei Daponte-Mozart-Opern als richtiger Publikumshit auf dem Programm. Aber es wollte und wollte keine rechte Stimmung im Haus aufkommen, obwohl mit Simon Keenlyside diesmal ein Conte d’Almaviva von Weltformat auf der Bühne stand. Lag es am gänzlich uninspiriertem Dirigat von Jérémie Rhorer oder an der Gelangweiltheit des Wiener Staatsopernorchesters (diesmal huschten nicht nur die beiden Trompeter, sondern sogar die weiter vorne sitzenden Klarinettisten in ihren Spielpausen aus dem Graben, hier könnten sich die Herrschaften ein Beispiel an der Pianistin Kristin Okerlund nehmen, die bei beiden Finali – an denen sie ja mit ihrem Hammerklavier zum Nichtstun verdammt ist – interessiert dem Geschehen auf der Bühne folgte). Oder lag es am unsäglichem Publikumsmix von Touristen und Abonnenten, oder an der so ärgerlichen Inszenierung von Jean-Louis Martinoty, zu der ich mich jeden weiteren Kommentars enthalte. Egal, die geniale Musik von Wolfgang Amadeus Mozart ließ mich über weite Strecken unberührt, erst im vierten Akt, der eigentlich nach drei Stunden Spielzeit gewisse Steherqualitäten abverlangt, spürte ich den Zauber und Flair, der von dem Meisterwerk ausgeht.

 Dabei waren die Vorzeichen äußerst erfreulich, denn Simon Keenlyside konnte sowohl als Sänger (mit profunder Technik und ausgewogener Mischung aus Parlando und Schöngesang) als auch in schauspielerischer Hinsicht brillieren. Er bewies einmal mehr, dass man für eine „Nozze“ eigentlich gar keinen Regisseur benötigt, wenn die Protagonisten den Text und den Inhalt des Stückes im kleinen Finger haben. Keenlyside durchaus ebenbürtig erwies sich Anita Hartig, die als Susanna dem Grafen heftig zusetzte sowie in ihrer Beziehung mit Figaro eindeutig die Hosen anhatte. Stimmlich dauerte es zwar eine Weile, bis Hartigs Sopran in der unverwechselbaren Silberschattierung fließen konnte, aber bei „Deh vieni, non tardar“ überzeugte das Wiener Ensemblemitglied, besonders mit hauchzartem piano! Nur ansatzweise gelang ein solcher adäquater Mozartgesang der Contessa Olga Bezsmertna. In der großen Arie „Dove sono“ schien sie eher in dramatischen Verdi-Gefilden zu landen, aber man sollte der gebürtigen Ukrainerin (sie ist nicht – wie vielerorts kolportiert – Russin, eigentlich sollte lange nach Auflösung der UdSSR schön langsam auch deren Nationalitäten bei uns bekannt sein) noch Zeit und verantwortungsbewusste Korrepitoren mit auf ihren künstlerischen Weg geben, dann wird das schon. Bei Luca Pisaroni schwankte ich zwischen himmelhoch jauchzend (bei den wirklich differenziert gestalteten Rezitativen) und zu Tode betrübt, wenn sein Figaro gar zu nebensächlich durchs Geschehen rauschte.

 Wenig Akzente setzen konnte Rachel Frenkel als Cherubino, mit interessantem Timbre ließ Pavel Kolgatin als Basilio aufhorchen, die Marcellina Donna Ellens war in vokaler Hinsicht nicht ganz auf dem Niveau ihres Bartolos, dem Sorin Coliban enorme Präsenz verlieh. Auf der Habenseite waren Clemens Unterreiner als gevifter und gar nicht allzu betrunkener Antonio und Bryony Dwyer als quirlige Barbarina zu verbuchen, während Peter Jelosits als stotternder Stichwortgeber Don Curzio das Ensemble vervollständigte.

Ernst Kopica

 

 

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