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WIEN/ Staatsoper: LADY MACBETH VON MZENSK

09.03.2015 | Allgemein, Oper

WIEN/Staatsoper: LADY MACBETH VON MZENSK

am 8.3. 2015 (Helmut Christian Mayer)


Angela Denoke. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Dass man ausgerechnet Matthias Hartmann gerade jetzt beauftragt hat, seine Inszenierung von „Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitri Schostakowitsch aus dem Jahr 2009 wieder aufzufrischen, kann durchaus als pikant bezeichnet werden, zumal der Ex-Burgtheaterchef ja mit den  Bundestheatern gerade einen Rechtsstreit ausficht. Hartmann wartet zwar in seiner Arbeit mit einigen starken, symbolhaften Bildern auf,  seine Regie hat aber nichts an Drastik gewonnen und ist trotz eines eigentlich gewünschten, schneidenden Realismus weitgehend „jugendfrei“.

Viel ginge von der thrillerartigen Atmosphäre verloren, wäre da nicht Angela Denoke, die die Katerina Ismailowa bis an ihre Grenzen auslotet. Sie ist eine unbefriedigte bis exzessive Titelheldin, die ihre Leidenschaft auslebt und die noch dazu grandios, intensiv und glasklar singt. Ein Ereignis! Kurt Rydl singt den despotischen und geilen Vater Boris mit starker Präsenz böse, polternd und stimmgewaltig. Marian Talaba ist sein schwächlicher, blasser Sohn Sinowij, so wie er sein soll. Misha Didyk singt  den Arbeiter und Frauenhelden Sergej mit ausdrucksstarkem Tenor. Monika Bohinec ist eine zu wenig kokette aber schönstimmige Sonjetka. Bei den vielen kleineren Rollen, die von Ensemblemitgliedern gut bis sehr gut besetzt sind, ragen noch Donna Ellen als gequälte und vergewaltigte Axinja, Herwig Pecoraro als alles aufdeckender Schäbiger und Sorin Coliban als stimmgewaltiger Polizeichef heraus.

Wie schon bei Premieren-Serie von 2009 ist das Orchester der Wiener Staatsoper auch diesmal unter der exzellenten Leitung von Ingo Metzmacher ein Klasse für sich: Die irreguläre Rhythmik mit den schneidenden Orchesterfarben, die krasse Realistik wie auch die brutalen Steigerungen werden expressiv herausgearbeitet.  Pathetische Lyrik wechselt mit Groteskem, illustrative Vulgarität mit parodistischer Überspitzung und geht mit immer unter die Haut. Jubel!

 Helmut Christian Mayer

 

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