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WIEN/ Staatsoper: LA TRAVIATA

21.11.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: „LA TRAVIATA“ – oder 14. Probe für eine La traviata – Aufführung – 20.11.2012

 In der Inszenierung von Jean-Francois Sivadier – es wird eine Opernprobe dargestellt – tritt der erstaunliche Fall ein, dass das Ergebnis trotz vielem Üben kein bisschen besser wird.

Der fast einhelligen Meinung der bisherigen Rezensenten, dass es sich hier, unabhängig von der Diskussion über modernes oder konservatives Musiktheater, einfach um eine schlechte Regiearbeit handelt, können wir uns nur anschließen. In diesem Umfeld schmerzt es zusätzlich, dass die Darsteller der Hauptpartien nur zum Teil „Staatsopernniveau“ erreichen.

 Ermonela Jaho ist bestenfalls eine halbe Violetta. Die lyrischen Passagen gelingen dank einer guten Pianokultur sehr berührend; die Stimme trägt und klingt wunderschön. Ganz im Gegensatz dazu hört man bei den vielen dramatischen und dynamischen Sequenzen störendes Vibrato sowie ungenaue (sehr frei nach Verdi) und unschöne Interpretation.

Francesco Demuro ist kein Alfredo. Die viel zu kleine Stimme klingt vom Anfang bis zum Schluss gepresst und überfordert; der unbekümmerte Zugang zur Partitur ist so eigenwillig wie bei Jose Cura, nur nicht so leidenschaftlich und klingt nicht so schön.

Giovanni Meoni erfüllt als einziger Gast die Erwartungen zur Gänze und versteht es, mit seinem kräftigen, leicht metallisch klingenden Kavalierbariton auch die dunklen Seiten des Charakters von Giorgio Germont eindrucksvoll darzustellen. Die Wehmut und die väterliche Sorge in „Di Provenza il mare“ geht dank purem Schöngesang zu Herzen.

 Viel Freude bereiteten – wieder einmal – die Mitglieder des Staatsopernensembles:

Lena Belkina ist mit einem warmen, technisch guten Mezzo eine Bereicherung – sie ist auch von der Optik und vom darstellerischen Eindruck durchaus auf den Spuren einer Zoryana Kushpler. Clemens Unterreiner ist nach seinem lange verdienten Ausflug zu einer „großen Rolle“ als Oberpriester des Apollon in Alceste wieder zu seinem Baron Douphol zurückgekehrt und stellt – wie immer – eine Luxusbesetzung dar. Auch Dan Paul Dumitrescu verbreitet als Dr. Grenvil mit wenigen Sätzen mehr Freude als manch anderer Sänger an einem ganzen Abend. Donna Ellen (Annina), Jinxu Xiahou (Gaston) und Il Hong (Marquis von Obigny) helfen mit guten Leistungen mit, dass diese Inszenierung nicht völlig in die Peinlichkeit abrutscht.

 Dass diese Vorstellung in Summe doch einen positiven Eindruck hinterlassen hat, ist zum großen Teil dem Staatsopernorchester unter der Leitung von Bertrand de Billy zu danken. An die etwas andere Interpretation kann man sich gewöhnen, besonders wenn sie dank Streicherklang und wunderbaren Holzbläsern so ätherisch klingt. Der Chor singt verlässlich wie immer und steht auf der Habenseite des Abends.

Bei nicht voll besetztem Haus gab es trotz der Anwesenheit von relativ vielen „Fans“ nur sehr geringen Szenenapplaus – den dafür dann an den „falschen“ Stellen.

Übrigens: Wir haben wieder ein neues Vorhang-Kunstwerk. Heuer von David Hockney.

Intellektuelle Opernbesucher werden sofort erkennen: „Die fröhlichen, den Vorhang durchdringenden Farbtöne lassen das Delirium der Musik erahnen, vereinen es mit der Freude des Schauens und versetzen den Zuschauer in den Zustand purer Sinnesempfindung“ – Zitat Marco Livingstone. Mag schon sein, uns erinnert es an das bombastische Werbeplakat eines Wanderzirkus – aber: wir haben schon Schlimmeres ausgehalten!

 Maria und Johann Jahnas

 

 

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